Die Stadt Jena präsentiert am Donnerstag in Brüssel ihre Bewerbung um den Sitz des Europäischen Technologie-Instituts (EIT). Eine Woche vor den entscheidenden Beratungen der EU-Forschungsminister wollen Oberbürgermeister Albrecht Schröter, der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus und Bundesforschungsministerin Annette Schavan Vertreter von Politik und Wirtschaft in Brüssel von den Vorzügen der Schiller-Stadt überzeugen.
Jena tritt gegen harte Konkurrenz an: Um das Europäische Technologie-Institut bewerben sich auch die ungarische Hauptstadt Budapest, das polnische Breslau (Wroclaw), die spanische Ortschaft Sant Cugat bei Barcelona sowie Wien und Bratislava, die eine Gemeinschaftsbewerbung vorgelegt haben.
Der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter sieht dennoch gute Chancen für seine Stadt: «Als aufstrebende Stadt im Osten Deutschlands ist Jena aufgrund ihrer ehemaligen Lage hinter dem eisernen Vorhang und ihrer internationalen Verbindungen besonders prädestiniert, eine Brückenfunktion zwischen Ost- und Westeuropa auszuüben», erklärte Schröter in einer Pressemitteilung.
Herabgestuft
Wegen dieser Brückenfunktion gab auch die Bundesregierung Jena den Vorzug vor seinen innerdeutschen Konkurrenten Aachen, Karlsruhe, Nürnberg und Braunschweig. Mit der Unterstützung Jenas solle die «Aufbauleistung» der thüringischen Stadt gewürdigt werden, die sich seit der Wende zu einem Innovationsstandort mit mehr als 30 Forschungseinrichtungen entwickelt habe, heißt es aus dem Bundesforschungsministerium.
Beobachter halten allerdings für wahrscheinlich, dass eine Mehrheit der EU-Forschungsminister dem Drängen der neuen EU-Staaten nachgeben wird, das EIT in Osteuropa anzusiedeln. Da das ursprünglich als Elite-Universität gedachte Institut zu einer Art Verwaltungsrat aus 60 Mitarbeitern herabgestuft wurde, würde sich der Verlust in Grenzen halten: Zwar sind bis 2013 rund 308 Millionen Euro für das Institut eingeplant, diese sollen allerdings hauptsächlich in den Aufbau von Forschungsnetzwerken fließen - und an denen könnten sich unabhängig von der Sitzfrage auch Hochschulen und Unternehmen in anderen Städten beteiligen.
