Hessische Grüne kritisieren Vorgehen gegen No-Angels-Sängerin
Wiesbaden - Die inzwischen freigelassene No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa bekommt politische Schützenhilfe: Der Grünen-Politiker Andreas Jürgens nannte es am Dienstag im Hessischen Rundfunk skandalös, dass die Verhaftung der Sängerin in der Öffentlichkeit stattgefunden habe und die Medien durch die Staatsanwaltschaft über ihre HIV-Infektion informiert worden seien.
Mittlerweile seien «ohne Rücksichtnahme auf die Interessen der Beschuldigten sämtliche, darunter sehr intime Einzelheiten des Ermittlungsverfahrens in der Presse nachzulesen», kritisierte Jürgens. Die Grünen im Wiesbadener Landtag werfen laut HR dem Justizminister Jörg Uwe-Hahn (FDP) vor, die Rechte der Beschuldigten nicht geschützt zu haben.
Es sei auch ein Skandal, dass der Minister dazu immer noch schweige und nichts unternommen habe, «um dem Treiben Einhalt zu gebieten», meinte Jürgens. Er wies darauf hin, dass das Justizministerium den Staatsanwaltschaften Weisungen erteilen könne. Hahn sei «nahezu verpflichtet, hier mäßigend einzugreifen». Hahn soll dem Rechtsausschuss des Landtags Rede und Antwort stehen.
Die Sprecherin des Justizministers erklärte dem Sender, in der Frage der Öffentlichkeitsarbeit sei die Staatsanwaltschaft «frei in ihren Entscheidungen». Es gelte die Unabhängigkeit der Justiz.
Nadja Benaissa wird der gefährlichen Körperverletzung verdächtigt: Die Ermittler werfen ihr vor, mit mehreren Männern ungeschützt Sex gehabt und ihnen ihre Infektion verschwiegen zu haben. Einen der Männer soll sie so angesteckt haben. Am Dienstag wurde sie nach zehn Tagen unter Auflagen aus der U-Haft entlassen.