Coesfelder Rekruten mit Waffen bedroht

veröffentlicht am 21.03.2007


Schüsse aus einem Maschinengewehr zur Einschüchterung, gefesselten Rekruten wurden Waffen an den Kopf gehalten oder gewaltsam Wasser in den Mund gepumpt - der Prozess um den Bundeswehrskandal von Coesfeld hat am Mittwoch erschütternde Einzelheiten der Vorfälle bei der Ausbildung in einem Instandsetzungsbataillon enthüllt. Erstmals räumte vor dem Landgericht Münster einer der Angeklagten einen Teil der Vorwürfe ein. Mit seiner Schilderung brachte er den Richter dazu, von Folter zu sprechen.

 

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Münster - Schüsse aus einem Maschinengewehr zur Einschüchterung, gefesselten Rekruten wurden Waffen an den Kopf gehalten oder gewaltsam Wasser in den Mund gepumpt - der Prozess um den Bundeswehrskandal von Coesfeld hat am Mittwoch erschütternde Einzelheiten der Vorfälle bei der Ausbildung in einem Instandsetzungsbataillon enthüllt. Erstmals räumte vor dem Landgericht Münster einer der Angeklagten einen Teil der Vorwürfe ein. Mit seiner Schilderung brachte er den Richter dazu, von Folter zu sprechen.



Angeklagt sind der Kompaniechef und 17 Ausbilder des Instandsetzungsbataillons. Ihnen wird Misshandlung und Entwürdigung von 163 Rekruten bei simulierten Geiselnahmen vorgeworfen. Am zweiten Verhandlungstag führte Richter Manfred Mattonet Fotos vor, die bei einer gespielten Gefangennahme mehrerer Rekruten während eines Orientierungsmarsches am 8. Juni 2004 aufgenommen worden waren. Zu sehen war unter anderem, wie wie einem auf dem Boden liegenden, gefesselten Rekruten Waffen an den Kopf gehalten wurden.


Auf den Fotos der Gefangennahme erkennbar beteiligt ist der Angeklagte Marco F.. Er gab an, die vorgehaltenen Waffen seien gesichert gewesen. Auf mehreren Fotos posiert Marco F. mit geballter Faust über einem der Rekruten, dem er seinen Stiefel in den Rücken drückt. Solche «Erinnerungsfotos» an besondere Übungen seien üblich, erklärte er dem Richter. Der Mitangeklagte Fabian F. pflichtete dem bei. Nach dem Vorgehen bei der Gefangennahme befragt, erklärte er: «Die Rekruten sollten schon sehen, dass wir keine Freunde sind.»


Ausbilder Matthias H. berichtete über die anschließenden Verhöre in einer Sandkuhle auf dem Truppenübungsplatz. Er gab an, gefesselten Rekruten sei mit einer so genannten Kübelpumpe Wasser in Mund, Nacken und Hose gepumpt worden. Dabei seien die Rekruten kniend oder auf dem Rücken liegend von mehreren Helfern festgehalten worden. Einigen wurde der Aussage zufolge die Nase zugehalten. Richter Mattonet gab zu bedenken, dass die Betroffenen unter Atemnot gelitten haben müssten und erklärte: «Da ist doch ein Punkt erreicht, an dem man sagen muss, das könnte Folter sein.»

Durch Zugführer ermutigt gefühlt


Matthias H. erklärte, er habe sich durch die vorgesetzten Zugführer ermuntert gefühlt, einige Rekruten «härter ranzunehmen». Er habe die Rolle eines Entführers gespielt und somit das Ziel verfolgt, die Rekruten einzuschüchtern. «Ich habe mich da hochgeschaukelt. Der Ton wurde eben immer rauer.» Zur Einschüchterung gehörte nach Angaben des Angeklagten auch das Abfeuern eines Maschinengewehrs in unmittelbarer Nähe. Den Vorwurf, Rekruten gezwungen zu haben, mit Sand in der Kleidung zurück zur Kaserne zu marschieren und sich so wund zu laufen, bestritt Matthias H..


Verhöre bei einer Geiselnahmeübung sollen beim Coesfelder Instandsetzungsbataillon im Sommer 2004 insgesamt vier Mal nachgestellt worden sein, beim ersten Mal auf dem Truppenübungsplatz, dann in einem Keller der Kaserne. Dabei sollen Rekruten auch mit schwachen Stromstößen aus einem Feldfernsprecher traktiert worden sein. Außerdem wurden sie laut Anklage mit Tritten und Schlägen bearbeitet.


  (© AP)


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Umweltschutz

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