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20. Dezember 2007

Angst um Rente als Problem der nächsten Jahre



Hamburg - Die Deutschen fürchten sich inzwischen mehr vor Altersarmut als vor Terrorgefahren oder Umweltproblemen. Das führt dazu, dass sie ihre Rente aufstocken wollen und dafür über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten würden. «Die Angst um die Rente ist eines der drängenden Probleme der nächsten Jahre», sagte Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Doch nicht nur das Geld locke: Die Menschen wollen im Alter auch weiter gebraucht werden.

Die Rentner in Deutschland zählen laut Opaschowski zu den Aufschwung-Verlierern des Jahres 2007. Steigende Energie- und Lebenshaltungskosten sowie höhere Sozialabgaben sorgen für eine geringere Durchschnittsrente. Aber auch in der übrigen Bevölkerung macht sich einer Umfrage zufolge Angst breit: Rund 50 Prozent der Deutschen machen sich am meisten Sorgen um drohende Armut - quer durch alle sozialen Gruppen. «Das hat inzwischen die Angst vor möglichen Gefahren des Terrorismus oder vor durch Umweltbelastung verursachten Problemen überholt», sagte der Wissenschaftliche Leiter der Hamburger BAT Stiftung für Zukunftsfragen.

Als Folge sind fast drei Viertel (73 Prozent) aller Berufstätigen in Deutschland der aktuellen BAT-Repräsentativumfrage zufolge bereit, freiwillig über das 65. Lebensjahr hinaus zu arbeiten - wenn sie dadurch ihre Rente aufstocken können. Der Wunsch nach einem Zuverdienst wird von allen Berufsgruppen geäußert: Unter den Arbeitern sind es mit 78 Prozent etwas mehr als bei Angestellten und Beamten mit 70 Prozent oder Selbstständigen mit 71 Prozent.

22 Prozent der Arbeitnehmer sind über das 65. Lebensjahr hinaus weiter an Vollbeschäftigung interessiert - mit vollem Lohn und gleichzeitiger Erhöhung der Rente bei späterem Rentenbeginn. Die Hälfte aller Berufstätigen (51 Prozent) würde im höheren Alter gern teilzeitbeschäftigt bleiben - allerdings unter der Voraussetzung, unbegrenzt hinzuverdienen zu können ohne Abzüge bei der Vollrente.

Nur eine Minderheit von elf Prozent lehnt jede weitere Beschäftigung über die gesetzliche Altersgrenze hinaus ab mit dem Hinweis, «gut vorgesorgt» zu haben und «keine Not» leiden zu müssen. Bei Arbeitern sind es sechs Prozent, bei Angestellten/Beamten zwölf Prozent und bei Selbstständigen 23 Prozent. 20 Prozent der Frauen wollen auf weitere Erwerbstätigkeiten verzichten, damit sie mehr Zeit für Familie und ehrenamtliches Engagement haben. Bei den Männern sind es nur 14 Prozent.


Im Alter gebraucht werden

Doch den Menschen geht es nicht nur um die finanzielle Absicherung, weiß der Zukunftsforscher aus seinen Umfragen zum Ruhestand: «Die Bundesbürger wollen auch im Alter weiter gebraucht werden und Anerkennung bekommen.» Der Ruhestand verliere seinen Charakter als Lebens-Restzeit. Die Älteren verfügen heute über bessere Qualifikationen und eine bessere gesundheitliche Verfassung als früher.

Die Deutschen wollen ihre Altersgrenze Opaschowski zufolge selbst bestimmen und den Übergang in den Ruhestand flexibler gestalten. «Die gesetzliche Altersgrenze mit 65 oder künftig mit 67 wird von immer mehr Menschen als Zwangsrente mit Fallbeilcharakter empfunden», sagt er. «Sie fordern mehr Möglichkeiten zur individuellen Lebensgestaltung und weniger gesetzliche Zwangsverrentung», sagt der Forscher, der sich für einen flexiblen Ruhestand ausspricht.






 

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