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Nach der Beteiligung an AOL: Gehört Google jetzt zu den Bösen der Branche?
20. Dezember 2005 - 18:24 Uhr

Bon (ne-na) - Kurz vor Weihnachten grummelt es noch einmal kräftig auf dem Online-Markt. Branchenriese Google reißt seinen prallgefüllten Geldbeutel auf und investiert in die Zukunft, macht sich selbst ein dickes Weihnachtsgeschenk. Rund eine Milliarde Dollar blättern die Chefs der Suchmaschine - die längst weit mehr ist als das - für eine Fünf-Prozent-Beteiligung bei AOL auf den Tisch. Der bei den Usern so ungeliebte Konzern Microsoft guckt dabei in die Röhre, denn er wurde von Google ausgestochen. Doch das Echo, das auf die Beteiligung kommt, fällt unterschiedlich aus.

Computernutzer teilen die Firmen auf der ganzen Welt in Gut und Böse ein. Nach Ansicht der Verbraucher war Google gemeinsam mit dem Windows-Konkurrenten Linux ganz vorne bei den Guten. Doch dies könne sich durch die neue Partnerschaft mit AOL jetzt ändern, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Denn, so fragt das Blatt, wie unabhängig sind eigentlich die Trefferlisten der weltweit meistgenutzten Suchmaschine? Doch es sei schwierig, hierauf eine Antwort zu bekommen. Denn die Algorithmen nach denen die Ergebnisse von Stichwortsuchen aufgelistet werden, sind ein großes Geheimnis. Mit dieser Geheimnistuerei schützen sich die Google-Betreiber vor Hackern, die immer neue Wege finden, die Algorithmen der weltweite bekanntesten Suchmaschine zu überlisten.

Entscheidend beim Listing der Ergebnisse sei, wie stark die Seite mit anderen verlinkt sei, so die SZ. Auch die Tatsache, ob sie vernünftigen Text oder lediglich Stichworte enthalte oder wie häufig eine Seite aktualisiert wird, spiele eine Rolle. Hacker überlisten den Algorithmus, in dem sie auf ihre Webseiten weiße Schrift auf weißem Untergrund platzieren. Dadurch werden vor allem kommerzielle Angebote in den Google-Ergebnislisten ganz weit vorne platziert. Oder es würden blinde Webseiten geschaltet, die einen hohen Verlinkungsgrad mit anderen Angeboten vortäuschen. Doch die Google-Betreiber sind solchen Vorgehensweisen auf die Schliche gekommen und haben jüngst reagiert, um auch andere Kriterien mit in die Bewertung einfließen zu lassen.

So sei zuletzt die sogenannte Click Trough Rate in der Bedeutung gestiegen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Diese Rate besagt, wie tief ein Nutzer in eine Webseite hineinklickt, woran sich wiederum ihre Attraktivität herauslesen lässt. Der AOL-Deal wirft jetzt jedoch ein anderes Licht auf Google. So sollen künftig Suchergebnisse, die auf AOL-Angebote hinweisen, graphisch hervorgehoben und mit einem entsprechenden Logo versehen werden. Die Sympathien, die die Suchmaschine auf Grund ihrer schnörkellosen Grafik sammle, würde somit verspielt werden, mutmaßt die SZ.

Allerdings ist es kein Wunder, dass sich Google um neue Geschäftsfelder bemüht. Denn Michael-Maria Bommer, Vice President & Managing Director bei Genesys, schreibt in seinem Beitrag für die Winterausgabe des Magazins NeueNachricht, dass durch Werbung finanzierte Dienste zukünftig den Markt dominieren werden. Bommer nennt als Vorreiter Google Earth. Dieser Dienst würde damit verdienen, dass Hotels und Restaurants bereits für den Dienst bezahlen würden, der potentiellen Kunden die Möglichkeit gibt, die Umgebung vorab online anschauen zu können. Auch die IP-Telefonie sei ein Möglichkeit, Umsatz zu generieren.

Bommer schreibt: "Der Einzug der IP-Telefonie wird radikalere Veränderungen nach sich ziehen als bisher angenommen. Es ist davon auszugehen, dass sich das Verhalten der Nutzer von TelCo-Dienstleistungen und deren Anbietern in kürzester Zeit wandeln wird. Milliardenkonzerne mit hohem Bekanntheitsgrad könnten in naher Zukunft von der Landkarte verschwinden. Eines der Epizentren der zu erwartenden Beben liegt in Mountain View, USA. Google, der dort ansässige Anbieter von Suchmaschinen, überzieht die gesamten Vereinigten Staaten mit einem WiMax-Funknetz und bietet kostenlose Telefoniedienste an. Refinanziert wird dieses Angebot durch Werbung. In San Francisco ist es bereits jetzt möglich, über GoogleTalk zu telefonieren ohne einen Dollar dafür zu zahlen. Für Google, mit einer Marktkapitalisierung von 116 Milliarden US-Dollar, ist es einfach, kostenlose Telefonie zu ermöglichen."



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Mittwoch, 07. Januar 2009







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