Neue Markierungen im Warschauer Straßenpflaster halten die Erinnerung an das Ghetto wach, in dem während der NS-Zeit eine halbe Million Juden eingesperrt waren. Damit werde diese Vergangenheit zu einem bleibenden Teil des Stadbilds, sagte Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz. An der Zeremonie nahmen auch mehrere Überlebende des Holocausts sowie Geistliche der jüdischen Religionsgemeinschaft und der katholischen Kirche teil.
«Das ist nicht in einem Museum, das ist im realen Raum», sagte die Leiterin des Jüdischen Historischen Museums in Warschau, Eleonora Bergman. Die jetzt wieder sichtbar gemachten Dimensionen des Ghettos wirkten riesig - «aber wenn man weiß, dass dort eine halbe Million Menschen lebten, erkennt man, dass es sehr überfüllt war». Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Polen, Piotr Kadlcik, bezeichnete das Projekt der Ghetto-Markierung als Erfüllung eines Traums.
21 Gedenktafeln erinnern an das Schicksal der Bewohner des Ghettos, das 1940 von den Deutschen eingerichtet wurde. Viele Juden starben an Krankheiten und verhungerten. Im April erinnerte Warschau auch an die Opfer des Aufstands im Ghetto vor 65 Jahren. Er dauerte drei Wochen, die meisten der 200 jüdischen Aufständischen wurden getötet.
Das Projekt wurde von den Anwohnern unterstützt, die zum Teil ihren privaten Boden dafür zur Verfügung stellten. «Für mich war es eine große Freude, dass niemand dagegen war», sagte die städtische Kuratorin Ewa Nekanda-Trepka. «Jeder hat versucht, uns zu unterstützen.»
«Es gab damals Angst, Hunger, äußerste Armut, das Leben war ständig in Gefahr», sagte die 76-jährige Krystyna Budnicka, die als Elfjährige über Kanäle aus dem Ghetto fliehen konnte. «Ich war ein Kind, aber ich wusste, dass ich jederzeit sterben konnte.»
