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20. November 2008
Immer höhere Ausgaben für Jugend-Schutzmaßnahmen


Wiesbaden - Angesichts spektakulärer Todesfälle vernachlässigter Kinder fließt immer mehr Geld in Jugend-Schutzmaßnahmen. Im Jahr 2007 gab die öffentliche Hand rund 96,7 Millionen Euro für solche Maßnahmen aus - 19 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Außerdem greifen die Ämter immer häufiger ein.

Innerhalb der letzten drei Jahre stiegen die Kosten für Schutzmaßnahmen damit um 25 Prozent - noch 2004 hatten die Jugendämter lediglich 77,4 Millionen Euro ausgegeben. Der wichtigste Posten sind dabei die «Inobhutnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls»: Davon spricht man, wenn Minderjährige auf Initiative von Polizei oder Erziehern oder auch auf eigenen Wunsch für Stunden oder einige Tage in eine Einrichtung kommen. Einen kleineren Anteil machen Herausnahmen gegen den Willen der Eltern aus.

Jugendämter greifen deutlich öfter ein

Doch nicht nur die Kosten klettern - die Jugendämter greifen auch deutlich öfter ein: So verdreifachte sich die Zahl der Herausnahmen fast - von 151 im Jahr 2006 auf 435 im vergangenen Jahr, wie das Statistische Bundesamt bereits im Juli mitgeteilt hat.

Auch die Gesamtzahl der Inobhutnahmen stieg deutlich an, und zwar um 8,4 Prozent auf 28.200. Damit leisteten die Jugendämter 2007 rein rechnerisch jeden Tag für 77 Kinder und Jugendliche «erste Hilfe» in für sie gefährlichen Situationen. 2006 waren es noch 71 pro Tag.

Außerdem beantragen die Jugendämter immer öfter den Entzug des Sorgerechts von überforderten Eltern: 2007 stieg die Zahl gegenüber 2006 um 18,5 Prozent auf 12.800. Gegenüber 2005 betrug der Anstieg sogar 30 Prozent.

Mehr als die Hälfte für Kindertagesbetreuung

Insgesamt gaben Bund, Länder und Gemeinden für Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe 22,8 Milliarden Euro aus - neun Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Abzug der Einnahmen - unter anderem aus Gebühren und Teilnahmebeiträgen - waren es rund 20,5 Milliarden.

Mit 11,9 Milliarden Euro ging mehr als die Hälfte dieser Bruttoausgaben (52 Prozent) in die Kindertagesbetreuung. Nach Abzug der Einnahmen von 1,5 Milliarden Euro blieben Ausgaben von 10,4 Milliarden.

In Erziehungshilfen investierten Bund, Länder und Gemeinden mit insgesamt 5,4 Milliarden Euro knapp ein Viertel der Bruttoausgaben (24 Prozent) im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe auf - plus fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfielen 3,5 Milliarden Euro (plus drei Prozent) auf die Unterbringung junger Menschen in Vollzeitpflege, Heimerziehung oder in anderen betreuten Wohnformen. Für sozialpädagogische Familienhilfe erhöhten sich die Ausgaben um 13 Prozent auf 446 Millionen Euro.

 







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