In Frankreich sind wegen eines Lehrerstreiks gegen Stellenabbau und Mittelkürzungen am Donnerstag zahlreiche Schulen und Kindergärten geschlossen geblieben. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich bis zu 70 Prozent der Pädagogen an der eintägigen Arbeitsniederlegung, nach Ministeriumsangaben erschienen mehr als einer von drei Lehrern nicht zum Unterricht.
Der Streik führte auch zu einem politischen Streit zwischen Konservativen und der linken Opposition: Die Mehrzahl der von den Sozialisten regierten Kommunen verweigerte eine Minimalbetreuung der Kinder, wie sie Staatspräsident Nicolas Sarkozy zur Abfederung der Streikfolgen vorgeschrieben hat. Zur Betreuung der Kinder fehle es schlicht an Personal, begründete unter anderem der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe die Entscheidung.
33 Streiks in acht Jahren
«Das ist ein Witz», giftete Bildungsminister Xavier Darcos am Donnerstag zurück. «Alle konservativ geführten Kommunen sind in der Lage zur Mindestversorgung, nur manche links regierte Gemeinden meinen, sie könnten es nicht schaffen.» Bei den Eltern fielen die Reaktionen geteilt aus. «Die geplanten Einschnitte im Bildungssektor müssen gestoppt werden», sagte ein Vater aus Lyon, der zur Betreuung seiner Kinder einen freien Tag genommen hatte, dem Sender France-Info. Andere beklagten, dass sie von den Lehrern in Geiselhaft genommen würden.
Die Regierung Sarkozy will in diesem Jahr 11.200 Lehrerstellen streichen, im kommenden Jahr sollen 13.500 weitere Posten wegfallen. Die Pädagogen fordern nicht nur die Rücknahme der Kürzungspläne, sondern auch höhere Gehälter und mehr Abstimmung bei der Schulreform. Minister Darcos zeigte sich am Donnerstag unbeeindruckt. Die Lehrer hätten in den vergangenen acht Jahren 33 Mal gestreikt. «Es gibt eine regelrechte Streikkultur, die echte Gespräche blockiert.»
