Peru ist der wirtschaftliche Tigerstaat Südamerikas - so preist zumindest Präsident Alan Garcia sein Land international an. Auf der Suche nach Milliardeninvestitionen knüpft Peru große Hoffnungen an den in dieser Woche in Lima stattfindenden Asien-Pazifik-Gipfel (APEC), zu dem aus 21 Ländern rund 8.000 Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft angereist sind.
Trotz des weltweiten Abschwungs sei Peru ein sicherer Hafen für Kapital und die ideale Brücke zwischen Asien und Südamerika, erklärte Garcia am Dienstag. Einzig die zunehmenden politischen Unruhen stören das schöne Image vom idealen Investitionsstandort.
Der überzeugte konservative Marktwirtschaftler Garcia - inzwischen eine Ausnahmeerscheinung im mehrheitlich links regierten Südamerika - kann für die letzten Jahre durchschnittlich auf ein stolzes Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent verweisen, knapp 2 Prozent über dem regionalen Durchschnitt. Zuletzt hat Garcia ein Freihandelsabkommen mit den USA in trockene Tücher gebracht, nun richtet sich sein hoffnungsvoller Blick über den Pazifik nach Westen. Vor allem mit China sollen große Geschäfte angebahnt werden, ein jetzt vereinbartes Freihandelsabkommen mit China soll dabei helfen.
Tote und Verletzte bei Protesten
Peru hat viele Rohstoffe, darunter auch Öl und Gas, und braucht für den Ausbau der Industrie dringend Investitionen. Die zuletzt stark gefallenen Rohstoffpreise haben die eigenen Unternehmen zudem geschwächt und könnten dem Wirtschaftswachstum eine Delle verpassen. Doch die beunruhigendsten Nachrichten für das Land sind anderer Natur: Während die Gipfelteilnehmer nach Lima reisten, wurde bekannt, dass linke Rebellen bei verschiedenen Angriffen drei Polizisten getötet und zwei Soldaten verletzt haben. Anderswo im Land wurden zwei Demonstranten bei einem Protest gegen eine geplante Kläranlage getötet, 40 Menschen wurden verletzt.
Anfang Oktober waren beim Anschlag einer Rebellengruppe auf einen Militärtransporter zwölf Soldaten und sieben Zivilpersonen getötet worden. Es handelte sich um den folgenschwersten Rebellenangriff seit mehreren Jahren. Die Regierung erwägt nun wegen der anhaltenden Proteste sogar die Verhängung des Ausnahmezustands in mehreren Provinzen, wie Kabinettschef Yehude Simon sagte.
Innenminister Remigio Hernani beeilte sich anlässlich des APEC-Gipfels zu erklären, die Rebellen wollten Peru «vor den Augen der Welt als rückständiges Land mit vielen Konflikten darstellen».
Arme fühlen sich bei Wirtschaftswachstum ausgeschlossen
In Peru gebe es im Grunde zwei parallel existierende Wirtschaftskreisläufe, sagt ein Experte der Vereinigung der Peruanischen Exporteure. «Eine ist entwickelt und wettbewerbsfähig, die andere ist in Depression und Armut verloren», erklärt Carlos Gonzalez. 40 Prozent der 22 Millionen Peruaner gelten als arm. Gerade in den abgelegen Anden- und Amazonasgebieten ist das Leben der Menschen oft sehr einfach, als hätte sich seit Jahrzehnten nichts verändert.
Peru wird nicht von den Kämpfen der Drogen-Clans erschüttert, die Investoren zum Beispiel in Kolumbien oder Mexiko abschrecken. Die immer häufigeren Proteste im ganzen Land richten sich zumeist gegen neue Industrie- und Bergbauanlagen und die damit einhergehende Umweltverschmutzung. Die Menschen sehen die Ausbeutung der Ressourcen und müssen die negativen Konsequenzen ertragen, ohne jedoch vom Wirtschaftsboom zu profitieren. Oft kommt es dann zu heftigen Protesten gegen die lokale oder regionale Verwaltung. Die Zahl solcher Konflikte hat sich nach Regierungsangaben im vergangenen Monat auf 189 verdoppelt, im Januar waren es 83. Bei der Hälfte sind die Aktivitäten von Öl-, Gas- oder Bergbauunternehmen Anstoß der Kritik.
Doch am Donnerstag herrschte Eitel-Sonnenschein. Garcia empfing den chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Lima. Die Regierung in Peking braucht dringend Rohstoffe und hat zudem auch den Ruf, sich nicht weiter um Proteste von Anwohnern oder Umweltschutzbedenken zu kümmern. Garcias Beliebtheitswerte sind indes in jüngsten Umfragen auf trübe 19 Prozent zurückgefallen. Bei der Präsidentschaftswahl 2006 konnte er seinen linkgerichteten Rivalen Ollanta Humala knapp besiegen. Wenn er im Kampf gegen die Armut allerdings nicht bald signifikante Fortschritte erzielt, muss er 2011 wohl um seine Wiederwahl bangen.
