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20. November 2008
Nachfrageeinbruch zwingt BASF zu Prognosekorrektur


Frankfurt - Der Chemiekonzern BASF SE hat infolge eines massiven Nachfragerückgangs seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr erneut zurückgenommen und damit die Aktie auf Talfahrt geschickt. Das Papier büßte bis 15.36 Uhr 15,5% auf 21,48 EUR ein, während der DAX nur 3% schwächer notierte.

Der Ludwigshafener DAX-Konzern rechne nun nicht mehr damit, im Gesamtjahr 2008 das sehr gute EBIT vor Sondereinflüssen des Vorjahres zu erreichen, kündigte das Unternehmen am Mittwoch an. Bei Vorlage der Neunmonatszahlen Ende Oktober hatte BASF noch erklärt, der Konzern werde alles daran setzen, das gute Vorjahresergebnis wieder zu erreichen. Zuvor hatte BASF noch ein Plus erwartet.

Wegen des deutlichen Nachfragerückgangs kündigte der Konzern die vorübergehende Stilllegung von rund 80 Anlagen sowie die Drosselung der Produktion in gut 100 weiteren Anlagen an. Nach Angaben einer BASF-Sprecherin erwartet der Konzern, dass der Output zeitweise um etwa 20% bis 25% zurückgefahren werden muss. Weltweit verfüge die BASF über etwa 400 Produktionsstandorte, sagte sie weiter. Der größte Produktionsstandort sei Ludwigshafen mit 200 Anlagen.

Seit Ende Oktober habe sich die Nachfrage der Kunden nochmals deutlich verschlechtert, erklärte Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht. Schon Ende Oktober habe BASF auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld hingewiesen. "Besonders Kunden aus der Automobilindustrie haben bereits erteilte Aufträge kurzfristig storniert", beschrieb der Manager die Lage.

Darüber hinaus belaste der verstärkte Vorratsabbau der Kunden und die ungenügende Verfügbarkeit von Krediten in Abnehmerindustrien den Absatz, hieß es. Die Entwicklung im nächsten Jahr sei schwer einschätzbar, sagte Hambrecht weiter. "BASF richtet sich auf harte Zeiten ein", fügte er hinzu.

Von den Produktionsanpassungen sind den weiteren Angaben zufolge weltweit 20.000 Mitarbeiter betroffen, davon 5.000 am Stammsitz Ludwigshafen. BASF werde wenn immer möglich flexible Arbeitszeitinstrumente einsetzen, kündigte der Konzern an. Das Unternehmen werde jetzt noch stärker auf Kosten- und Ausgabendisziplin achten, erklärte Hambrecht.

Die geplante Akquisition und Integration des schweizerischen Spezialchemiekonzerns Ciba will BASF zügig vorantreiben, um das Geschäft weiter zu optimieren.

Die Produktionsanpassungen sollen nach BASF-Angaben vorwiegend in Betrieben erfolgen, die für die Abnehmerbranchen Automobil, Bau und Textil produzieren. Davon betroffen seien unter anderem die Wertschöpfungsketten Ammoniak, Styrol und Polyamid, in denen Vorprodukte für technische Kunststoffe, Lacke, und Fasern hergestellt werden.

Die Abstellungen betreffen laut BASF unter anderem die sechs Verbundstandorte in Europa, Asien und Nordamerika. Die Maßnahmen seien größtenteils bereits eingeleitet worden, hieß es.

Derzeit sei geplant, die Anlagen einige Wochen herunterzufahren, sagte die Sprecherin. Für einzelne Anlagen sei eine verringerte Auslastung bis Januar 2009 geplant. Sollte die Nachfrageschwäche anhalten und alle anderen Mittel flexibler Arbeitszeitverkürzung ausgeschöpft sein, schließt der Chemiekonzern an einzelnen Standorten auch Kurzarbeit nicht aus.

Am Stammsitz in Ludwigshafen habe BASF eine Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat geschlossen, hieß es. Sie sieht vor, dass Produktionsanpassungen über die flexible Handhabung von Arbeitszeitinstrumenten wie Zeitguthaben und Urlaub aufgefangen werden sollen. In Ludwigshafen sollen 40 Anlagen vorübergehend stillgelegt werden, bei weiteren 25 Anlagen soll die Produktion gedrosselt werden, sagte die Sprecherin Dow Jones Newswires.

BASF werde die Entwicklung der Märkte weiterhin genau verfolgen und ihre Produktion wenn erforderlich an die jeweils aktuelle Situation weiter anpassen, kündigte das Unternehmen an. Zuletzt hatte die BASF infolge von Nachfragerückgängen 2001 Anlagen abstellen müssen. In Ludwigshafen waren damals 56 Anlagen vorübergehend stillgelegt worden.

Für die Zukunft zeigte sich BASF trotzdem zuversichtlich. Das Unternehmen sei in den zurückliegenden Jahren krisenfester geworden und habe ein besser balanciertes Portfolio. Zudem sei BASF solide finanziert, erklärte der Chemiekonzern.

Analysten reagierten negativ auf die Aussagen. Analyst Christan Faitz von Sal. Oppenheim bezeichnete die Ankündigungen von BASF als schlechte Nachrichten, die allerdings vor dem Hintergrund des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes nicht sehr überraschten. Der Analyst will sein Rating und Kursziel für die Aktie nun überprüfen, wollte aber noch keine nähere Aussage dazu machen. Bisher hat er die Aktie auf "neutral" geratet mit einem Fair Value von 30 EUR.

Ein weiterer Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, sprach von einer negativen Überraschung. Dass BASF so kurz nach den Quartalszahlen die Ergebnisprognose erneut zurücknehme, sei enttäuschend, meinte er. Zwar habe sich BASF bereits Ende Oktober sehr zurückhaltend über die weitere Entwicklung geäußert, die Situation scheine sich in den vergangenen Wochen aber wohl deutlich verschärft zu haben, meinte er.

Im Gegensatz zu BASF hat der Chemiekonzern Lanxess seine Prognose für das operative Ergebnis 2008 erst in der vergangenen Woche angehoben, allerdings ebenfalls auf die "schwierige Situation in vielen Abnehmerbranchen" verwiesen. Das Leverkusener Unternehmen will darauf mit einer Vielzahl von Schritten reagieren und, wenn nötig, in einzelnen Anlagen oder Bereichen die Produktion herunterfahren. Betriebe zeitweise ganz stillzulegen ist für Lanxess ebenfalls eine Option.

Bei dem Bayer-Teilkonzern MaterialScience war der Ergebnisausblick zuletzt ohnehin schon weniger optimistisch als bei BASF: Im vierten Quartal erwartet das Management des Leverkusener Unternehmens im Vergleich zum dritten Quartal 2008 ein weiter rückläufiges operatives Ergebnis, und auch das EBITDA vor Sondereinflüssen des Teilkonzerns im Gesamtjahr wird "deutlich" unter dem Niveau des Vorjahres gesehen.

 








 
 



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