Nürnberg - Knapp ein Jahr nach der Geburt von Flocke bereitet sich der Nürnberger Tiergarten auf ein neues Eisbären-Baby vor. Es sei «halbwegs sicher», dass Flockes Mutter Vera wieder trächtig sei, sagte der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau am Donnerstag. Die sechs Jahre alte Eisbärin habe vor etwa zwei Monaten damit angefangen, sich in ihrem Stall aus Stroh eine Höhle zu bauen. Dies seien wahrscheinlich Vorbereitungen auf eine Geburt.
Ob Vera tatsächlich schwanger sei, könne allerdings nicht mit Sicherheit gesagt werden. Eisbären gehörten zu den wenigen Säugetieren, für die hormonelle Schwangerschaftstests derzeit noch nicht möglich seien.
Sollte Vera tatsächlich trächtig sein, sei jeden Moment mit der Geburt zu rechnen. Vera wurde im März mit Flockes Vater Felix gepaart. Der natürliche Wurftermin von Eisbären sei zwischen Mitte November und Anfang Februar. Um den winzigen Nachwuchs - er hat etwa Maulwurf-Größe - sehen zu können, sei in jeder der zwei Wurfboxen eine Kamera angebracht worden.
Weil jede Störung der Eisbärin vermieden werden soll, betreten die Tierpfleger ihr Gehege nicht mehr. Außerdem sei die Besucherterrasse der Eisbärenanlage, auf der auch Flocke untergebracht ist, geschlossen worden. In Zusammenarbeit mit der Polizei soll für die nötige Nachtruhe gesorgt werden. «Störungen müssen unbedingt vermieden werden», betonte Mägdefrau.
Sonst wäre zu befürchten, dass die Eisbärin ihren Nachwuchs tötet, wie dies Anfang Januar in Nürnberg der Fall war: Zeitgleich mit Vera hatte Mitte Dezember die Eisbärin Vilma vermutlich zwei Jungtiere zur Welt gebracht. Damals hatte die Zooleitung keine Kameras in den Höhlen installiert. Bei einer späteren Kontrolle des Stalls fehlte von den Jungtieren jede Spur. Die Zooleitung ging damals davon aus, dass die Eisbären-Babys gefressen wurden.
«Bei Störungen in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt ist das die natürliche Reaktion von Raubtieren», erklärte Mägdefrau. Indem sie ihren Nachwuchs verspeisten, sparten die Tiere Energie für die nächste Geburt. «Die Natur richtet sich nicht nach unseren Moralvorstellungen», betonte er.
Vera hatte die am 11. Dezember geborene Flocke zunächst alleine versorgt. Möglicherweise aufgrund einer Störung durch Fotografen schleppte die Eisbärin dann jedoch vier Wochen später ihr Jungtier plötzlich aus der Höhle und ließ es mehrmals fallen. Um das Leben der kleinen Eisbärin zu retten, entschloss sich die Zooleitung daraufhin trotz der Kritik zahlreicher Tierschützer, das Jungtier der Mutter wegzunehmen und mit der Hand aufzuziehen. «Handaufzuchten lehnen wir auch heute noch nicht generell ab», betonte Mägdefrau. Dennoch setze der Zoo diesmal alles auf eine Naturaufzucht.