Der kometenhafter Aufstieg von Barack Obama ist selbst für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich. Ob der Senator aus Illinois die Präsidentenwahl am 4. November nun gewinnt oder nicht - er hat schon jetzt Geschichte geschrieben: Mit ihm hat erstmals ein dunkelhäutiger Politiker die realistische Chance, ins Weiße Haus einzuziehen. In Umfragen liegt der Präsidentschaftskandidat der Demokraten deutlich vor seinem republikanischen Rivalen John McCain.
Obama hat neue Akzente auf der politischen Bühne gesetzt. Bei Wahlkampfauftritten wird er gefeiert wie ein Popstar. Obama wirkt jung, charismatisch und unverbraucht. Er versteht es, die Menschen zu begeistern. Gerade mal knapp vier Jahre mischt er als Senator in Washington mit.
Wenige Monate vor seiner Wahl in den Senat, im Juli 2004, war er praktisch über Nacht mit einer umjubelten Rede auf dem Parteitag in Boston zum neuen Star der Demokraten avanciert. Damals ahnte aber wohl kaum jemand, dass Obama schon vier Jahre später an der Schwelle zum Weißen Haus stehen würde.
Der 47-Jährige, den viele schon als den «schwarzen Kennedy» feiern, präsentiert sich als Vertreter einer neuen Generation, die das Land verändern will. Obamas zentrale Wahlkampfbotschaft lautet denn auch «Change». Und diesen Wandel erhoffen sich auch viele Wähler nach acht Jahren Präsidentschaft des Republikaners George W. Bush. Aber auch außerhalb der USA trifft Obama auf viel Sympathie, wie nicht nur sein Auftritt im Juli an der Siegessäule in Berlin gezeigt hat.
«Eine Vision, für die sich der Einsatz lohnt»
Kritiker halten Obama vor, er habe keine Erfahrung und sei den Belastungen des Präsidentenamtes nicht gewachsen. Ihnen erklärte Obama bereits bei der Ankündigung seiner Präsidentschaftsbewerbung im Februar 2007, er habe nicht lange damit zugebracht, die Gepflogenheiten in Washington kennenzulernen. «Aber ich war lange genug dort um zu erkennen, dass sich die Gepflogenheiten Washingtons ändern müssen.»
Zu seinen Vorstellungen vom Präsidentenamt sagte Obama einmal: «Dies ist ein Amt, um das man sich nicht einfach aus Ehrgeiz bewirbt. Man muss tief im Innern spüren, dass man eine Vision hat, für die sich der Einsatz lohnt.» Seine Vision hat Obama vor vier Jahren in seiner Parteitagsrede dargelegt: Eine Politik, die das Land nicht spaltet, sondern zusammenführt.
Dieses Streben nach Einigkeit liegt nicht unwesentlich in seiner Biografie begründet. Geboren wurde Barack Hussein Obama am 4. August 1961 als Sohn einer Amerikanerin und eines Kenianers in Honolulu auf Hawaii. Seine Mutter stammt aus Kansas. Sein Vater studierte einige Jahre in den USA. Die Ehe hielt jedoch nicht lange und wurde geschieden, als der kleine Barack zwei Jahre alt war. Nachdem seine Mutter in zweiter Ehe einen indonesischen Ölmanager geheiratet hatte, lebte Obama vorübergehend in Indonesien und kehrte mit etwa zehn Jahren zu seinen Großeltern nach Hawaii zurück.
«Name aus Kenia und Akzent aus Kansas»
In Anspielung auf sein Leben in verschiedenen Kulturen bezeichnete sich Obama einmal als amerikanischer Ein-Mann-Schmelztiegel. Und mit Blick auf seine Eltern meinte er scherzhaft: «Mein Name stammt aus Kenia und mein Akzent aus Kansas.» Barack bedeutet auf Kisuaheli «von Gott gesegnet». Obama hat in seiner Jugend aber auch unter dem Leben zwischen den Kulturen gelitten, wie er in seiner Autobiografie «Dreams of my Father» schildert.
Um so ungewöhnlicher erscheint sein späterer Lebensweg. Nach dem Jurastudium in Harvard war Obama Dozent für Verfassungsrecht an der Universität von Chicago und arbeitete in einer kleinen Kanzlei, die sich auf Bürgerrechte spezialisiert hatte. Anders als viele afroamerikanische Politiker ist Obama aber nicht in der Bürgerrechtsbewegung verwurzelt.
Acht Jahre lang saß Obama im Senat des Staates Illinois, bevor er im Januar 2005 sein Amt als Senator in Washington antrat. Wenn er jetzt auch noch die Präsidentschaftswahl gewinnen sollte, werden die Erwartungen übergroß sein. Obama ist sich dessen durchaus bewusst und scherzt in Anspielung an die Superman-Geschichte: «Entgegen den Gerüchten, die Sie gehört haben, bin ich nicht in einer Krippe zur Welt gekommen. Tatsächlich wurde ich auf Krypton geboren und wurde von meinem Vater Jor-el hierher geschickt, um den Planeten Erde zu retten.»
