Die Gehälter der Manager sind im vergangenen Jahr erneut deutlich stärker gestiegen als die Einkommen ihrer Beschäftigten. Nach einer am Dienstag in Frankfurt am Main vorgelegten Übersicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erhöhten sich in den 30 DAX-Unternehmen die Bezüge der Vorstände durchschnittlich um 7,75 Prozent gegenüber 2006. Die Tariflöhne stiegen dagegen nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 2,5 Prozent, die Angestelltengehälter sogar nur um 2 Prozent.
DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker wies darauf hin, dass die Gewinne der Konzerne im gleichen Zeitraum durchschnittlich um fast 18 Prozent gestiegen sind. Für von Politikern häufig kritisierte Gehaltsexzesse oder unanständig hohe Bezüge der Topmanager hätten die Aktionärsschützer in ihrer Untersuchung «bis auf wenige Ausnahmen keine Anhaltspunkte gefunden», erklärte Hocker. Der Ruf nach gesetzlicher Begrenzung von Managergehältern sei deshalb «überflüssig, ja sogar kontraproduktiv für den Standort Deutschland».
Durchschnittlich verdiente im Jahr 2007 ein DAX-Vorstand 2,926 Millionen Euro. Die Vorstandsvorsitzenden herausgerechnet, lagen die Durchschnittsbezüge bei 2,615 Millionen Euro.
Ackermann wieder an der Spitze
Die Firmenchefs verdienten durchschnittlich 4,7 Millionen Euro. Weit darüber lag als bestverdienender DAX-Vorstandsvorsitzender wie in den Jahren zuvor Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit knapp 14 Millionen Euro, vor dem Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche mit rund 10 Millionen und Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit 8 Millionen Euro. Am Ende der Tabelle rangieren Infineon-Vorstandschef Wolfgang Ziebart mit 2 Millionen Euro, sein Kollege Georg Funke von Hypo Real Estate mit 1,9 Millionen Euro und Postbank-Chef Wolfgang Klein mit 1,5 Millionen Euro.
Die DSW bezieht in ihre seit 2001 jährlich vorgelegte Studie drei Einkommensbestandteile ein: Das Fixum mache bei Managern in Deutschland etwa 26 Prozent der Bezüge aus. Variable Barleistungen als Prämien, Boni oder Ähnliches, orientiert am kurzfristigen Erfolg des Unternehmens, machen 56 Prozent aus. 18 Prozent der Bezüge sind «aktienkursbasierte Bestandteile», in der Regel Aktienoptionen.
Bei 13 DAX-Konzernen Gehaltseinbußen
Innerhalb des DAX gab es 2007 durchaus deutliche Unterschiede in der Entwicklung der Managergehälter. Die Spanne reicht von plus 85,4 Prozent bei TUI bis zu minus 26,4 Prozent bei SAP. In 17 der 30 DAX-Konzerne bekamen die Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr mehr Geld, in 13 Unternehmen mussten sie Gehaltseinbußen hinnehmen. Beispielsweise strich der angeschlagene Chiphersteller Infineon die Erfolgsprämien vollständig. Dagegen stieg bei TUI die variable Barvergütung um fast 164 Prozent.
An dieser Stelle fehle es trotz inzwischen erreichter Fortschritte noch an Transparenz, bemängelten die Aktionärsschützer. Bei TUI könne die Stärke des Anstiegs nicht mit den Angaben im Vergütungsbericht erklärt werden. Dort sei nur von «persönlichen Bemessungsfaktoren» die Rede. Welche dies seien, die einen solchen Anstieg der Vergütungen erklären würden, bleibe Geheimnis der Unternehmensführung.
