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20. Juni 2008
Robbe wertet Wehrpflicht-Studie positiv
Berlin - Der Vorschlag aus Reihen des Bundeswehrverbandes für eine Verkürzung des Wehrdienstes von derzeit neun auf sechs Monate ist beim Wehrbeauftragten des Bundestages auf Wohlwollen gestoßen. Die Ergebnisse der entsprechenden Studie seien «außerordentlich überlegenswert», sagte der SPD-Politiker Reinhold Robbe der «Neuen Osnabrücker Zeitung» vom Freitag. Verfasst wurde das Werk von den Vorstandsmitgliedern Andreas Ahammer und Stephan Nachtigall. Der Bundeswehrverband hat sich bereits distanziert.
Robbe sagte der Zeitung, «die jungen Autoren haben einen unkonventionellen und konstruktiven Beitrag zur notwendigen Debatte über die Zukunft der Wehrpflicht geleistet». Dieser «überlegenswerte Beitrag» der Verfasser Ahammer und Nachtigall sollte nicht einfach beiseitegelegt werden, unterstrich Robbe.
Das in der Studie genannte Projekt «Fünf plus 1» - drei Monate Grundausbildung, zwei Monate Katastrophenschutz-Training, ein Monat Berufsförderung - soll unter anderem sicherstellen, dass junge Männer die Bundeswehr zumindest mit einem Hauptschulabschluss verlassen. «Das gehört, wie auch die verstärkte Ausrichtung des Wehrdienstes auf den Katastrophenschutz, zu den vielen diskussionswürdigen Vorschlägen, die Gehör verdienen», sagte der Wehrbeauftragte, der die Studie am Donnerstag überreicht bekam.
«Kein Papier des Bundeswehrverbandes»
Der Bundeswehrverband will sich die Studie allerdings nicht zu eigen machen. Verbandschef Bernhard Gertz ließ am Donnerstagabend über einen Sprecher auf AP-Anfrage mitteilen: «Das vorgelegte Papier ist kein Papier des Bundeswehrverbandes, sondern eine private Initiative der Herren Ahammer und Nachtigall». Beide hätten ihre Studie im Bundesvorstand vorgestellt, dieser habe es jedoch für «noch nicht veröffentlichungsreif» befunden. Der Vorstand sehe in dem Papier bestenfalls einen Diskussionsbeitrag. Der Bundesvorstand habe zudem auch «von einer Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt abgeraten».
Ahammer und Nachtigall hatten monatelang um eine Erhöhung des Wehrsolds gekämpft, eine entsprechende Petition mit 25.000 Unterschriften an den Bundestag gerichtet - und sich letztendlich durchgesetzt. Nach AP-Informationen hatten die beiden 24 und 25 Jahre alten Studenten zunächst auf die Unterstützung des gesamten Verbandsvorstandes gesetzt. Als diese ausblieb, entschlossen sie sich zu einer eigenen Veröffentlichung.
«Umbau der Wehrpflicht ist überfällig»
«Der Umbau der Wehrpflicht zum Gesellschaftsdienst ist überfällig», zitiert die «Neue Osnabrücker Zeitung» die beiden Autoren. Nach ihrer Darstellung ermögliche die Wehrzeitverkürzung zusammen mit einer einheitliche Besoldung von 300 Euro pro Monat Einsparungen von 57 Millionen Euro. Das eröffne die Chance, künftig nicht nur 75.000, sondern 95.000 junge Männer eines Jahrgangs zum Grundwehrdienst heranzuziehen. «Das ist auch ein erster Schritt zu mehr Wehrgerechtigkeit», werden die Autoren zitiert.
Naturkatastrophen und Veranstaltungen wie der G-8-Gipfel oder die Fußball-Weltmeisterschaft hätten zudem gezeigt, dass der moderne Soldat zunehmend jenseits militärischer Aufgaben eingesetzt werde.

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