
20. März 2006 08:15 Uhr
IT-Studie: Unternehmen investieren wieder in IT
Düsseldorf - Nach Jahren des Sparens steigen die Budgets für IT wieder. Im Vergleich zum Vorjahr planen die deutschen Unternehmen für 2006 Mehrausgaben von durchschnittlich 3 Prozent. Dabei steigen die Entwicklungskosten sogar um 6 Proeznt. Zu diesem Ergebnis kommt die IT-Studie 2006, die das Handelsblatt und die Unternehmensberatung Droege & Comp. vorgestellt haben. Von den 432 befragten Unternehmen aller Größen und Branchen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz plant die Chemieindustrie mit 11 Prozent den höchsten Kostenanstieg.
In der Absicht der Unternehmen, wieder deutlich mehr in die IT zur Unterstützung ihrer Geschäftssysteme zu investieren, sieht Torsten Frankenberger, Partner bei Droege & Comp., ein positives Signal für die Wirtschaft. "Kunden und Produkte stehen 2006 bei der Entwicklung innovativer Anwendungen im Fokus. Gerade hier lassen sich Wettbewerbsvorteile schaffen.". So sollen die Ausgaben für Anwendungen in Vertrieb und Produktion jeweils um gut 2 Prozent steigen.
Insgesamt hat sich das Verhältnis der Ausgaben "Anwendungen zu Infrastruktur" mit 41 Prozent zu 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr minimal verbessert, ist aber noch immer im Ungleichgewicht. Diese Ansicht teilen scheinbar auch die Anwender in den Unternehmen. Ihre Zufriedenheit hat sich aus Sicht der IT-Entscheider im Vergleich zu 2005 nicht gebessert. Wie schon im letzten Jahr zeigten sich Marketing sowie Forschung und Entwicklung am wenigsten zufrieden.
Der offensichtliche Wille, den Investitionsstau aufzulösen, geht einher mit dem permanenten Ziel, Kosten gezielt einzusparen. Die drei größten Stellhebel hierfür sehen die IT-Entscheider in der Steigerung der IT-Prozesseffizienz (20% der Nennungen), der Harmonisierung der Geschäftsprozesse (18%) und der Konsolidierung der Infrastruktur. Weiteres Outsourcing der Leistungen ist dabei kein Thema. Mit einem durchschnittlichen Fremdanteil von 44% in der Anwendungsentwicklung und 30% im Betrieb haben die Unternehmen nach Ansicht von Frankenberger ein gesundes Maß gefunden. Für die nächsten drei Jahre sind keine Veränderungen geplant. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen vergeben ihre Aufträge an inländische Unternehmen. Externe Dienstleister in Indien, den USA und China (Off Shore) werden nur von Großunternehmen sowie der Telekommunikations- und IT-Branche eingesetzt. Die übrigen bevorzugen externe Dienstleister in Osteuropa (Near Shore).
Beim Einsatz neuer Kommunikationstechnologien rechnen die Studienteilnehmer mit einem stürmischen Wachstum, vor allem für Voice over IP (VoIP), das Telefonieren über Internet-Datennetze. Nach Einschätzung der Befragten werden bis zum Jahr 2009 mehr als die Hälfte der Unternehmen diese Technologie einsetzen. Aktuell sind es 11%. Auch Wireless Lan, lokalen Funknetzwerken zur drahtlosen Vernetzung von PCs, sagen die Teilnehmer eine glänzende Zukunft voraus. Sie gehen davon aus, dass 38% der Unternehmen bis 2009 diese Technologie nutzen wird gegenüber derzeit 14%. Für UMTS wird der Zuwachs bis 2009 auf 33% geschätzt, jetzt nutzen es 12%.
Die unangefochtene Marktdominanz des Betriebssoftware-Herstellers SAP wird sich weiter manifestieren. Schon jetzt setzen mehr als zwei Drittel der Befragten SAP-Produkte zur Steuerung ihres Unternehmens ein (ERP). Nur jeweils 4% arbeiten mit Oracle/Peoplesoft und Microsoft, 26% verwenden andere ERP-Systeme. "Oracle/Peoplesoft und Microsoft werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Marktanteile im deutschsprachigen Raum auszubauen," kommentiert Frankenberger diese Entwicklung. Ähnlich verhält es sich mit den Betriebssystemen für Server und Arbeitsplatzumgebung, die mit 62% und 97% fest in der Hand von Microsoft sind.
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