London - Auf Flugreisen häufen sich medizinische Zwischenfälle. Weil immer mehr Menschen mit Gesundheitsproblemen sowie hochbetagte Senioren das Flugzeug als Verkehrmittel nutzen, sollten Mediziner um die Risiken solcher Reisen wissen, schreiben US-Mediziner aus Burlington im Fachblatt «The Lancet». Diese Entwicklung werde mit den neuen Großraumflugzeugen von Airbus und Boeing, die bis zu 18 Stunden lang in der Luft bleiben können, weiter zunehmen.
Ein Problem besonders für Patienten mit manchen Lungenerkrankungen ist der geringe Luftdruck in der Kabine, der etwa dem in 2.400 Metern Höhe entspricht. Dies bereite vielen Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) Atembeschwerden. Auch Patienten, die sich einer größeren Operation unterzogen haben, sollten wegen des geringen Kabinendrucks mindestens zwei Wochen lang Flugreisen meiden, mahnen die Mediziner.
Das Risiko für einen Gefäßverschluss ist Studien zufolge auf Langstreckenflügen bis zu vierfach erhöht. Verringern lässt sich die Gefahr durch Kompressionstrümpfe. Ob auch Medikamente wie der Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) vorbeugen, ist dagegen nicht geklärt, wie die Experten betonen. Ebenfalls bei langen Strecken kann die Veränderung des Tag-Nacht-Rhythmus die innere Uhr stören. Schlafstörungen infolge von Jetlag gibt es besonders nach Flugreisen in östlicher Richtung, also gegen den Lauf der Sonne.
Zudem begünstigt im Flugzeug der Aufenthalt vieler Menschen auf engem Raum die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Grippe, Masern, Tuberkulose oder SARS. Gefährdet sind vor allem die Menschen, die entweder engen Körperkontakt zu Infizierten haben oder deren Platz im Umkreis von zwei Sitzen liegt. «Eine gutes Verständnis der medizinischen Folgen von Passagierflügen wird immer wichtiger», schreiben die Mediziner. «Menschen sollten sich der möglichen Komplikationen von Flugreisen bewusst sein, und Ärzte sollten potenziell gefährdete Personen identifizieren und auf etwaige Behandlungen für eine sichere Reise hinweisen.»