New York - Menschen empfinden absichtlich zugefügte Schmerzen als besonders quälend. Haben sie das Gefühl, dass andere ihnen bewusst wehtun, gewöhnen sie sich auch nicht an den Schmerz, wie eine amerikanische Studie zeigt. Dies deutet darauf hin, dass etwa Opfer von Folter unter den sowieso schon qualvollen Misshandlungen noch stärker leiden.
Dass das Schmerzempfinden individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, wissen Forscher seit langem. Die Studie der Universität Harvard zeigt nun, dass dabei auch Annahmen über die Ursache des Schmerzes eine wesentliche Rolle spielen. In der Untersuchung bekamen 48 Teilnehmer identische schmerzhafte Elektroschocks zugefügt. Glaubten sie, ihr Gegenüber löse den Reiz absichtlich aus, so stuften sie den Schmerz als besonders stark ein.
Nahmen sie dagegen an, es handele sich um ein Versehen, so schien ihnen der Reiz weniger stark. Außerdem schätzten sie dann den Schmerz bei jeder Widerholung als schwächer ein. Dieser Gewöhnungseffekt blieb bei jenen Probanden aus, die von einer Absicht ausgingen. Sie empfanden den Schmerz stets als gleich stark.
Diese Reaktion scheint Studienleiter Kurt Gray aus evolutionsbiologischer Sicht absolut schlüssig zu sein. Ein zufällig verursachter Schmerz stelle gewöhnlich keine Bedrohung dar, betont er in der Zeitschrift «Psychological Science». «Aber ein absichtlich zugefügtes Leid ist womöglich das erste von vielen, so dass es gut ist, dies wahrzunehmen und etwas dagegen zu tun», so der Psychologe. «Es ist sinnvoll, dass unser Körper und unser Gehirn die Schmerzerfahrung verstärken, wenn wir glauben, der Schmerz könne unser Überleben bedrohen.»