Der Gasversorger Wingas hat die Planungen zum Bau einer 60 Millionen Euro teueren Erdgasleitung in Süddeutschland eingestellt. Die langfristige Wirtschaftlichkeit des 500 Kilometer langen Süddeutschen Ergasleitung (SEL) sei angesichts der zunehmenden Eingriffe der Regulierungsbehörde in den Markt nicht mehr gewährleistet, begründete das Unternehmen am Mittwoch seine Entscheidung.
Die Pipeline sollte von Burghausen an der deutsch-österreichischen Grenze bis nach Lampertheim in Hessen verlaufen. Burghausen ist einer der Knotenpunkte im europäischen Erdgasnetz. Wingas bezieht an dieser Übernahmestation pro Jahr nach eigenen Angaben schon heute mehrere hundert Millionen Kubikmeter Erdgas aus Russland. Wingas wollte das Projekt zusammen mit Deutschlands größtem Gasimporteur E.ON Ruhrgas realisieren.
Kritik an der Bundesnetzagentur
«Bevor neue Investitionsentscheidungen in maßgeblichen Größenordnungen getroffen werden, muss geklärt werden, wie eine Energieinfrastruktur auch zukünftig wirtschaftlich genutzt werden kann», erklärte Ingo Neubert, Geschäftsführer der Wingas Transport GmbH & Co KG. Wingas stehe weiterhin bereit, in ein marktwirtschaftlich organisiertes Transportgeschäft zu investieren und dabei entsprechende Risiken einzugehen.
Doch erschienen die Rahmenbedingungen für den Betrieb und Ausbau von Fernleitungsnetzen in Deutschland zunehmend unklar. Neubert beklagte vor allem die Pläne der Bundesnetzagentur die Nutzungstarife für Ferngasleitungen zukünftig behördlich festzulegen, statt durch den Markt entscheiden zu lassen. Dadurch sei die Zukunft des Leitungswettbewerbs in Deutschland infrage gestellt.
Weitere Pipline-Projekte auf dem Prüfstand
Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Entscheidung erscheint nicht zufällig gewählt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung plant die Bundesnetzagentur am (morgigen) Donnerstag eine Anhörung zu zwei weiteren großen Pipeline-Projekten des Wingas-Mutterkonzerns Wintershall und der E.ON-Ruhrgas, die ebenfalls von Wingas Transport gemanagt werden. Neubert verlangte im Gespräch mit der Zeitung eine gesetzliche Möglichkeit zur Freistellung von der Regulierung. Auch E.ON-Ruhrgas habe gewarnt, andernfalls sei der Bau der beiden Leitungen «prinzipiell infrage gestellt», berichtete die Zeitung.
