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19. November 2008
John Mellencamp entdeckt den Tod


Frankfurt - Als John Mellencamp sein aktuelles Album aufgenommen hat, war von der Aufbruchstimmung rund um die Kandidatur und später den Sieg Barack Obamas bei der US-Präsidentenwahl offenbar noch nicht viel zu spüren. Wie anders sollte sonst zu erklären sein, dass «Life Death Love And Freedom» (Universal/Hear Music) das bislang ernsteste seiner mehr als 30-jährigen Karriere geworden ist? Ganze Welten entfernt hat sich Mellencamp vom Stadionrock à la «Jack & Diane» oder «Hurts So Good».

Und von den vier Vorgaben des Albumtitels, zentralen Fragen des Lebens immerhin, konzentriert sich der 57-Jährige ausgerechnet auf die negativ besetzte. Der Tod spielt in den Texten die wesentliche Rolle, und auch musikalisch ist festzuhalten: Lebensfreude klingt anders. Am ehesten zu vergleichen ist das Album mit seinem Folk-Blues-Coveralbum «Trouble No More» von 2003, nur stammen diesmal alle Titel aus seiner eigenen Feder.

Schon im Opener «Longest Days» legt Mellencamp die Richtung fest: «Sometimes you get sick/ And you don"t get better/ That"s when life is short/ Even in its longest days». «If I Die Sudden» heißt ein anderer Track vielsagend, in «A Ride Back Home» bittet er Jesus um Erlösung - «this world is too troublesome for me ... I feel like taking my life but I won"t/ Too big a coward, can you get me a ride back home». Und «Don"t Need This Body» beginnt mit der Feststellung, dass das Älterwerden nichts für Feiglinge sei und mündet in die Klage, dass seine Freunde langsam alle wegsterben und auch der Protagonist selbst am Ende des Wegs angelangt sei. Tod, Vergänglichkeit, Verzweiflung, Einsamkeit - ist das die aktuelle Weltsicht von John Mellencamp?

«Nur ein Kerl in einer Rockband»

Dass er das Album aus einer Art persönlichen, späten Midlife-Krise heraus geschrieben habe, hat Mellencamp zurückgewiesen. Aber das soziale und politische Umfeld spielte schon eine Rolle, wie der Musiker aus Indiana in einem AP-Interview zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums in den USA im Juli sagte. «Es spiegelt perfekt die Stimmung dieses Landes, wirtschaftlich, sozial, unter Rassengesichtspunkten, in allen Aspekten. Es gibt genügend Songs auf dieser Platte, die jedes einzelne dieser Themen spiegeln.»

Hat er die Hoffnung, dass sich die Dinge auch wieder in eine bessere Richtung entwickeln können? «Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so wird, wie es einmal war.» Obama lasse hoffen, aber die Welt verändere sich ungemein schnell. «Sie wandelt sich technologisch, die Art, wie wir unseren Aktienmarkt betreiben, bröckelt, das Zweiparteiensystem funktioniert nicht mehr richtig. Aber wissen Sie was?» fragt er und lacht: «Ich bin einfach nur ein Kerl in einer Rockband.»

T Bone Burnett als Produzenten gewonnen

Als Produzenten holte sich Mellencamp T Bone Burnett, der auf etlichen Tracks auch an der Gitarre zu hören ist. Es sei das erste Mal in seiner Karriere, dass er nicht wegen der Technik, sondern auch wegen der Musik einen Produzenten engagiert habe, sagt der 57-Jährige. Er kenne T Bone seit zehn Jahren persönlich, und für diese Art Lieder sei die Zusammenarbeit einfach perfekt gewesen. Herausgekommen ist ein zurückgenommener, rauer und vermeintlich simpler Folk-Blues-Sound, der nicht zuletzt von Mellencamps stimmlicher Ausdruckskraft lebt, bei vier Titeln brillant unterstützt von der Sängerin Karen Fairchild. Auf Drums und Rhythmusinstrumente verzichtet er bei vielen Tracks.

Doch nur in dunklen Tönen spielt auch Mellencamp nicht. Lied zwei, «My Sweet Love», klingt nach fröhlichem Rockabilly, wenngleich es im Text schon wieder einschränkend heißt «It sure would feel good to feel good again». Und das Album endet versöhnlich mit zwei Titeln, die Raum für Hoffnung lassen. «Es gibt die Illusion zu glauben, dass, wenn Menschen älter werden, ihre Arbeit nicht mehr so gut ist», sagt Mellencamp über sein jüngstes Werk. Er glaube aber nicht, dass das etwa für Picasso, Hemingway oder Stephen King gelte. «Es sind nur Veränderungen, weg von der breiten Öffentlichkeit.» Die Arbeit werde persönlicher, von eigenen Erkenntnissen geprägt. «Wenn du einen Song mit dem Titel "R.O.C.K. in the U.S.A." schreibst, ist das für den Konsum der breiten Öffentlichkeit. Wenn du einen Song mit dem Titel "Don"t Need This Body" schreibst, ist das für Leute, die ihr Leben schon zur Hälfte gelebt haben.»








 
 



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