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19. November 2008
Royal will Sozialisten mit Sarkozy-Rhetorik erobern


Paris - Im Wahlkampfendspurt um den Vorsitz der Sozialisten versucht Expräsidentschaftskandidatin Ségolène Royal die Basis mit der Rhetorik von Staatschef Nicolas Sarkozy zu erobern. Das größte Risiko für die völlig zerstrittene PS sei «die Unbeweglichkeit», sagte sie vor der Mitgliederwahl am Donnerstag der Zeitung «Le Monde». Sie stehe «für den Wandel, ja gar für den Bruch». Mit exakt den gleichen Botschaften hatte ihr konservativer Rivale Sarkozy vor anderthalb Jahren die Präsidentschaftswahl gewonnen.

Um ihren Erneuerungswillen zu verdeutlichen, kündigte Royal für den Fall ihres Sieges den Verkauf des Parteisitzes im noblen siebten Stadtviertel in Reichweite des Parlaments an. «Das wäre ein sehr schönes Symbol und würde Einsparungen ermöglichen», sagte sie dem Sender RMC/BFM-TV. Der neue Sitze könne in einem Arbeiterviertel liegen. Mit dem Vorstoß gelang es Royal abermals, die Medienaufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ohne sich dabei auf eine politische Linie festzulegen.

«Alles außer Ségolène»

In den Spitzen der Parti Socialiste hat sich nicht zuletzt deswegen eine «Alles außer Ségolène»-Front gebildet. Parteigrößen vom Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe bis zu Exkulturminister Jack Lang werfen Royal vor, die Partei zu einer persönlichen Wahlkampfmaschine nach US-Vorbild umfunktionieren zu wollen, und rufen zur Wahl ihrer wenig charismatischen Kontrahentin Martin Aubry auf. Diese gab sich am Mittwoch versöhnlich und versprach, Royal die Hand auszustrecken. Beide wollten mit Auftritten vor Anhängern am Mittwochabend weiter um letzte Stimmen kämpfen.

Aussagenkräftige Umfragen gibt es vor der Wahl der 233.000 PS-Mitglieder nicht. Aber wegen der Anti-Royal-Stimmung werden der früheren Arbeitsministerin Aubry, die die Abschaffung der 35-Stunden-Woche durchsetzte, Chancen eingeräumt. Der Parteilinke Benoît Hamon, einziger verbliebener männlicher Kandidat, gilt dagegen als chancenlos.

Die PS, die 2007 die dritte Präsidentschaftswahl in Folge verlor, muss einen Nachfolger für den glücklosen Francois Hollande suchen. Der frühere Lebensgefährte von Royal ist als «Verwalter einer Partei im Verwesungszustand» verschrien und wirft nach elf Jahren als Generalsekretär das Handtuch. Wer seinen Posten erobert, gilt als aussichtsreicher Anwärter auf die Kandidatur der Sozialisten für die nächste Präsidentschaftswahl 2012.








 
 



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