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19. Oktober 2008

Abschied von «Herzkönig und Trumpfass»



Klagenfurt - Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung hat Kärnten am Samstag Abschied von seinem tödlich verunglückten Landeshauptmann Jörg Haider genommen. Politiker aller Parteien würdigten in ihren Trauerreden Leistungen und Einsatz des nicht unumstrittenen Kollegen.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) betonte laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA bei der Trauerfeier in Klagenfurt, Haider habe die Menschen bewegt. Man müsse anerkennen, dass er ein Mensch gewesen sei, «der außergewöhnlich war». Er habe viele Menschen begeistert, aber auch Widerspruch ausgelöst. Haider habe niemanden kalt gelassen, im positiven wie im negativen Sinne.

Gusenbauer appellierte, jetzt zu versöhnen, was im Leben nicht versöhnlich gewesen sei. Über alle politischen Grenzen hinweg müsse man Haider Respekt und Anerkennung zollen. Er sei immer vom Willen getragen gewesen, das Beste für seine Heimat zu tun. Der Vorarlberger Landeshauptmann (Ministerpräsident) Herbert Sausgruber von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) erklärte, Haider sei für Veränderung und Tradition, für Bewegung und Polarisierung, aber auch für Lösungen gestanden.

Die Leistungen des Verstorbenen für Kärnten würdigte sein bisheriger Stellvertreter Gerhard Dörfler von Haiders Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Haider habe hinterlassen, dass alle Menschen gleich seien, es kein Oben und kein Unten gebe. Er habe das Land offener, jugendlicher, moderner und damit «sommerlicher» gemacht. Darüber hinaus habe er Kärnten Selbstbewusstsein gegeben. «Du wirst immer da sein, deine Spuren sind ewig», verabschiedete sich Dörfler.

«Jörg, wir passen auf dein Kärnten auf», versprach der designierte Kärntner BZÖ-Obmann Landesrat Uwe Scheuch. «Wir sind es unserem Jörg schuldig, in seinem Sinne weiter zu machen.»

Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher nannte Haider einen «ganz Großen», der als Politiker und als Freund neue Maßstäbe gesetzt habe. Mit Blick auf ein Kartenspiel sagte der ÖVP-Politiker: «Der Herzkönig und das Trumpfass sind nicht mehr im Spiel.»

Haiders Witwe Claudia mit ihren Töchtern Ulrike und Cornelia und deren Ehemännern, die 90-jährige Mutter Dorothea und Haiders Schwester Ursula Haubner nahmen laut APA bereits auf dem Weg zur Trauerfeier zahlreiche Kondolenzbekundungen entgegen. Die Bestatter trugen den über und über mit Rosen geschmückten Sarg des Landeshauptmannes zur bereitgestellten Lafette, die von einem Pinzgauer gezogen wurde. Unmittelbar hinter dem Sarg nahm die Familie Aufstellung.

Der Zug vom Neuen Platz zum Klagenfurter Dom verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Die Totenmesse zelebrierte Diözesanbischof Alois Schwarz. Der Dom war nur für geladene Gäste und einige wenige Journalisten und Fotografen zugänglich, für die übrigen Besucher der Trauerfeier waren vor der Kirche sowie am Alten Platz Videoleinwände aufgestellt worden. In der Stadt herrschte gedämpfte Stimmung.

Der 58-jährige Haider war am Samstag vor einer Woche in der Nacht mit seinem Dienstwagen von der Fahrbahn abgekommen und tödlich verunglückt. Seine Geschwindigkeit war zu diesem Zeitpunkt doppelt so hoch wie die erlaubten 70 Stundenkilometer. In seinem Blut wurde ein Alkoholanteil von 1,8 Promille gemessen.






 

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