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18. Mai 2008

Bauspar-Kombikredit: Teuer statt top



München - Wer sich nach einer Baufinanzierung umsieht, stößt auch auf die Modelle der Bausparkassen. Derzeit massiv als Top-Angebot beworben wird ein Bauspar-Kombikredit mit verlockend niedrigen Zinsen, angepriesen als Alternative zum klassischen Hypothekenkredit. Die Mehrzahl dieser Bausparprodukte sei jedoch teuer erkauft, mahnt Jörg Sahr von der Zeitschrift «Finanztest» zur Vorsicht. Die angegebenen Zinsen entpuppten sich in der Regel als Augenwischerei.

Die Zinsangaben der meisten Bausparkassen hätten mit den tatsächlichen Kreditkosten nichts zu tun, moniert auch Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg. «Viele Leute sehen das aber nicht.» Auch Sahr meint besorgt: «Das Kombi-Modell geht weg wie warme Semmeln», obwohl es das Konto der Häuslebauer häufig stärker belaste als ein stinknormaler Bankkredit.

Grundsätzlich setzt sich der Kombikredit aus einem Bausparvertrag und dem Darlehen zusammen, mit dem die Bausparkasse die Bausparsumme vorfinanziert. Für beides werden eigene, feste Zinssätze ausgewiesen, die Laufzeit kann bis zu 30 Jahre festgezurrt werden. Beim Vorausdarlehen locken momentan günstige Sätze unter 5 Prozent, die normalerweise bis zur Zuteilung des Bausparvertrags fest sind. Für das anschließende Bauspardarlehen gibt es häufig unter 4 Prozent. Die Unterschiede bei den Zinssätzen sind von Kasse zu Kasse enorm, hat Sahr herausgefunden.

Bis zur Zuteilung zahlt der Kunde die Zinsen für das Vorausdarlehen sowie die Sparraten für den Bausparvertrag. Sobald der Vertrag zuteilungsreif ist, löst der Kreditnehmer den Vorauskredit mit der Bausparsumme ab. Danach zahlt er noch die Raten für das Bauspardarlehen. Die monatliche Belastung ist bei vielen Kombi-Typen so austariert, dass sie in den meisten Fällen für den Kunden über die ganze Laufzeit gleich hoch bleibt.


Herummogeln um Gesamteffektivzins


Klingt auf den ersten Blick günstig und gut, betont Scobel. Der Knackpunkt des Finanzierungsmodells ist jedoch folgender: Bausparkassen sind, anders als Kreditinstitute, nicht dazu verpflichtet, einen Gesamteffektivzins auszuweisen, erläutert Felix Schnellbacher vom Verband deutscher Pfandbriefbanken.

Die Kassen geben häufig nur den Effektivzins des Vorausdarlehens und den Effektivzins des Bauspardarlehens an, zwei Zahlen also. Die Abschlussgebühren für den Bausparvertrag etwa sowie die Sparraten bleiben auf diese Weise außen vor - und die vermeintlichen Schnäppchen-Zinsen konkurrenzlos günstig.

«Irreführende Zinstricks» nennt das Fachmann Sahr. Ein Beispiel: Eine Bausparkasse gibt für einen Kombikredit von 100.000 Euro mit gut 24 Jahren Laufzeit einen Effektivzins von 4,52 Prozent für das Vorausdarlehen und 3,97 Prozent für das Bauspardarlehen an. Klingt toll, unschlagbar billig. Rechnete das Unternehmen sämtliche Kosten mit ein, läge der Effektivzins für die Gesamtlaufzeit jedoch bei 5,74 Prozent.

Mit dem Herummogeln um einen Gesamteffektivzins könnten sich die Bausparkassen von den Zinssätzen herkömmlicher Bankendarlehen absetzen, gibt Sahr zu bedenken. Eine Vergleichbarkeit der Angebote sei für den Kunden nicht mehr gegeben.


Schwieriger Vergleich bei über 20 Jahren Laufzeit


Interessenten sollten in jedem Fall darauf bestehen, dass die Bausparkasse den Gesamteffektivzins ihres Produkts schriftlich vorrechnet, betont Scobel. Nur dann werde das Angebot transparent. Soll der Bausparkredit länger als 20 Jahre laufen, wird ein Vergleich ohnehin schwierig, weil die meisten Bankkredite nicht länger festzumachen sind.

Bekommt ein Interessent Wohnungsbauprämie vom Staat oder einen Förderkredit, kann sich ein Bausparvertrag eher rechnen, meint Sahr. Günstig würden Kombi-Produkte bei Kleindarlehen unter 50.000 Euro. Sonst gelte folgender Rat: Mit einem Annuitätendarlehen über mindestens 15 Jahre und die Möglichkeit von Sondertilgungen fahren Immobilienkäufer und Häuslebauer momentan in der Regel besser.




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