Die Müllkrise in Süditalien nimmt kein Ende: Verärgerte Bewohner Neapels haben in der Nacht zum Samstag rund 130 Müllhaufen in Brand gesteckt. Die herbeigeeilten Feuerwehrleute wurden bei den Löscheinsätzen mehrfach mit Steinen beworfen, wie die Behörden mitteilten. Die Polizei musste die Rettungskräfte eskortieren. «Gegen Angriffe von Kriminellen sind wir unvorbereitet und schutzlos», sagte der oberste Brandbekämpfer der Mittelmeerstadt, Ugo Bonessio, dem Fernsehsender Sky TG24.
Er hoffe auf ein baldiges Ende der Gewalt, denn sie verletze nicht nur die Einsatzkräfte, sondern gefährde auch generell die Hilfeleistung der Feuerwehr, sagte Bonessio. Die Müllkrise in Neapel und der umliegenden Region Kampanien dauert seit Jahren an. Als die Müllabfuhr im Dezember jedoch die Arbeit einstellte, weil der Müll keinen Platz mehr auf den Deponien fand, eskalierte die Situation. Die nunmehr steigenden Temperaturen machen das Problem der stinkenden Müllberge indes noch dringlicher. Der Bau neuer Deponien wird seit Jahren von Anwohnerprotesten vereitelt.
Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird in der nächsten Woche einer außerordentlichen Kabinettssitzung zur Müllkrise in Neapel vorsitzen. Die endgültige Lösung des Müllproblems in Süditalien gehörte zu Berlusconis Wahlversprechen. Dies solle zu seinen ersten Amtshandlungen gehören, erklärte er vor der Wahl Mitte April. Vor kurzem hat die EU-Kommission wegen der Müllkrise rechtliche Schritte gegen die Regierung eingeleitet - damit könnte Italien eine Strafe in Millionenhöhe drohen.
