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18. März 2008

Weblog = Tagebuch?



Frankfurt - Die Weblogs oder Blogs im Internet gelten als moderne Form des Tagebuchs. Aber mit der oft bewussten Zurschaustellung von Intimem in der Öffentlichkeit irritieren sie auch viele Menschen. Sind Tagebücher denn nicht eigentlich etwas sehr Privates? Dieser Frage geht jetzt die Ausstellung «Absolut privat? - Vom Tagebuch zum Weblog» im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main nach, das papierene und digitale Tagebücher einander gegenüberstellt.

Gezeigt wird die ganze Bandbreite täglicher Aufzeichnungen, ob sie nun eher flüchtig im Notizheft niedergeschrieben, künstlerisch verfeinert oder schlicht als Terminbucheintrag geführt wurden. Zu sehen gibt es etliche Originale, zum Beispiel von Franz Kafka, Theodor W. Adorno, Clara Schumann und Johann Wolfgang Goethe. Zu Ehren kommt natürlich auch das vielleicht berühmteste Tagebuch, das der Anne Frank. Seiner Geschichte ist eine eigene kleine Abteilung gewidmet.

Wer die Ausstellung betritt, geht die ganze Zeit auf Tagebüchern, genauer gesagt auf Zitaten aus den Tagebüchern bekannter oder auch eher unbekannter Personen. Den 365 Tagen eines Jahres entsprechend wurden sie auf Filzteppichfliesen gedruckt. Da gibt es schon beim langsamen Durchschreiten der Schau immer wieder etwas zu entdecken, zum nachdenken oder auch zum schmunzeln. So begrüßt den Besucher direkt am Eingang auf dem Boden ein Zitat aus Franz Kafkas Tagebuch vom 7. Juni 1912: «Heute nichts geschrieben. Morgen keine Zeit».

Am Rande kommen in der Ausstellung auch diejenigen zu ihrem Recht, die mit namensgebend für den Begriff Blog waren, die Logger. Das waren und sind jene Seeleute, die ein Logbuch schreiben, das mit seinen genauen seemännischen Eintragungen manchmal überlebenswichtig war. Das Wort bezieht sich dabei auf das an einer Schnur befestigte Brett, das früher zur Geschwindigkeitsmessung von Schiffen benutzt wurde. Dazu passend gibt es die «Tagebuchhölzer» von Hans Gröner zu sehen.

Bereichert wird die Ausstellung auch durch die Kooperation mit dem Deutschen Tagebucharchiv, das etliche sehenswerte Exponate beigesteuert hat. Der Besucher kann sich die Tagebücher nicht nur in den Vitrinen ansehen, sondern auch an eigens dafür eingerichteten Stellen hinsetzen und in ihnen lesen. An Bildschirmen klickt man sich durch eine Auswahl digitaler Tagebücher.

Auch wenn in der Ausstellung papierene und digitale Werke zu ihrem Recht kommen sollen, so bleibt doch ein Übergewicht des Papierenen. Dies ist auch deshalb der Fall, weil wegen der besseren Vergleichbarkeit einige digitale Werke ausgedruckt und auf die Ausstellungswände geklebt wurden. Insgesamt rund 30 Blogs werden näher vorgestellt und so bekommt der Besucher doch einen Einblick, welche Formen und Möglichkeiten es bei diesen modernen Tagebüchern gibt und wie man sich selbst eines einrichten kann.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. September in Frankfurt am Main und wird danach noch in den Museen für Kommunikation in Nürnberg und Berlin zu sehen sein. Im Internet gibt es natürlich auch ein Blog zur Ausstellung und ihrer Entstehung.






 

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