Ein in Guantanamo inhaftierter Journalist hat in einem offenen Brief gegen die Bedingungen in dem US-Gefangenenlager auf Kuba protestiert. «Jeder von uns leidet körperliche Schmerzen, und unsere verletzten Herzen leiden einen seelischen Schmerz, der nicht beschrieben werden kann», schrieb der sudanesische Kameramann des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira, Sami al Hadsch, in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief.
Der 38-Jährige kritisierte, dass er seit sechs Jahren ohne Anklage gefangen gehalten werde. Der Öffentlichkeit warf er ein mangelndes Interesse am Schicksal der Guantanamo-Insassen vor. «All dies findet in einer Welt statt, die weiß, was geschieht, dabei aber schweigt und nicht viel mehr tut, als dieses bedauerliche Theater anzuschauen», heißt es in dem Brief Al Hadschs, der nach Angaben seines Anwalts Clive Stafford Smith bereits Ende Dezember geschrieben wurde und vor seiner Veröffentlichung erst die US-Militärzensur passieren musste.
Al Hadsch wurde im Dezember 2001 von den pakistanischen Behörden an der Grenze zu Afghanistan gefangen genommen und sechs Monate später den USA übergeben. Ihm wird vorgeworfen, in den 90er Jahren Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation befördert zu haben, die militante Gruppen finanziert haben soll. Stafford Smith sagte, sein Mandant befinde sich seit 374 Tagen im Hungerstreik und werde zwangsernährt.
Ein Sprecher des Gefangenenlagers, Fregattenkapitän Rick Haupt, sagte, die US-Streitkräfte gäben grundsätzlich keine Stellungnahme ab zu den Haftbedingungen einzelner Gefangener. Alle würden human behandelt und von Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) besucht. «Wir kümmern uns um Sami al Hadsch, wie wir es für jeden anderen Gefangenen hier tun», sagte Haupt.
Nachdem in den vergangenen sechs Monaten etwa 100 Gefangene freigelassen wurden, werden in Guantanamo zurzeit 275 Männer festgehalten. Sie werden terroristischer Aktivitäten oder Verbindungen zur Al Kaida oder zu den Taliban verdächtigt. Zehn Gefangene befinden sich im Hungerstreik. Am 30. Dezember starb in Guantanamo ein 68-jähriger Afghane in Krebs. Vier Gefangene haben ihrem Leben mit Suizid ein Ende gesetzt.
