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16. März 2007

Verbraucherschützer sehen Online-Geldverleih von privat an privat skeptisch



Berlin - Neue Wege bei der Kreditbeschaffung: Nach britischem und amerikanischem Vorbild gibt es neuerdings auch hier zu Lande die Möglichkeit, im Internet Geld von privater Seite zu leihen oder sich als Geldgeber zur Verfügung zu stellen. Dabei wenden sich Interessenten an ein Internetportal, das als Vermittler des Kredits von privat zu privat fungiert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beobachtet das Konzept, weitere Anbieter wollen angeblich mit ähnlichen Varianten nachziehen.

Doch Schuldnerberater und Verbraucherschützer raten zur Vorsicht: Die neue Online-Geldvermittlung sei alles andere als der rettende Strohhalm bei finanzieller Not. Auch privat gepumptes Geld muss pünktlich abgezahlt werden können, womöglich zu teuren Konditionen. «Wer das nicht schafft, macht nur ein neues Fass auf», mahnt Marius Stark von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände. Bundesweit seien bereits drei Millionen Haushalte überschuldet, noch einmal so viele stünden kurz davor.

Auch Dirk Morina, Gründer der Plattform namens «elolly.de» - lolly bedeutet übersetzt so viel wie Kohle, Schotter - gibt zu bedenken, das Angebot sei «nichts für Leute, die Geld für einen neuen DVD-Player brauchen oder Hartz IV bekommen». Der Betreiber, nach eigenen Angaben der erste in Deutschland, will vor allem Selbstständige, Kleinunternehmer und Existenzgründer ansprechen, die vorübergehende Engpässe überbrücken müssen und von der Bank keinen Kredit bekommen.

Grundsätzlich soll die Darlehensvergabe nach folgendem Prinzip funktionieren: Interessenten geben an, wie viel Geld sie verleihen oder bekommen wollen, die Länge der Laufzeit und den Umfang möglicher Sicherheiten, die sie fordern oder bieten. Ein Abgleich führt dann die Kandidaten zusammen. Der Betreiber kassiert von jedem eine einmalige Gebühr von 9,50 Euro.

Ob und auf welchem Zinsniveau ein Geschäft letztendlich zu Stande kommt, könne Morina nicht sagen. «Wir raten zur Orientierung am banküblichen Zins. Von Krediten zu 14 oder 18 Prozent sollte man immer die Finger lassen.» Nach der reinen Vermittlung ist seine Tätigkeit beendet. Aus weiteren Verhandlungen muss er sich raushalten. Sonst brauche der Betreiber eine Banklizenz, heißt es bei der BaFin.

Deshalb sind Kreditgeber und -nehmer gezwungen, die Details selbst miteinander auszuhandeln. Jeder Verleiher muss für sich entscheiden, wie viel Bonität und Zinsen er von seinem künftigen Schuldner verlangt - und sich notfalls auch ums Eintreiben kümmern, sollten die Rückzahlungen ins Stottern geraten. Elolly haftet den Angaben zufolge nicht für Ausfälle oder geplatzte Kredite. Das ganze Konzept ist also nicht ohne Risiko: «Das birgt Gefahren für jede Partei», sagt Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.


Finanzaufsicht hat die Entwicklung im Blick

Die Finanzaufsicht will in den nächsten Monaten ein waches Auge auf mögliche schwarze Schafe haben. «In diesen Fällen schauen wir uns an, ob die Nutzer einer solchen Plattform darauf erlaubnispflichtige Bankgeschäfte betreiben», sagt BaFin-Sprecher Peter Abrahams. Sollte ein Privatmann oder ein Unternehmen gewerbsmäßig Geld verleihen, könne die Behörde dagegen vorgehen.

Elolly habe derzeit fast sechs Millionen Euro Privatkapital im Topf, verkündet die Homepage. Über die Zahl der Registrierten will Morina nichts sagen. Nur so viel: «Die Nachfrage ist enorm, etwa 88 Prozent der Interessenten wollen sich Geld leihen, der Rest hat welches zu vergeben.»




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