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16. Januar 2009
«Mit den Whiteboards holen wir die Welt ins Klassenzimmer»
Hamburg - Mathe gehörte nie zu Alexanders Lieblingsfächern. Doch seit er den Satz des Pythagoras in der Schule an einem sogenannten interaktiven Whiteboard praktisch erfahren kann, indem er die Seiten eines Dreiecks mit der Hand an der elektronischen Tafel verschiebt, hat der 13-Jährige Spaß an dem Fach. «Und meine Noten sind auch besser geworden», sagt Alexander am Donnerstag, als das Hamburger Wilhelm-Gymnasium die interaktiven Whiteboards präsentiert.
Die Schule hat als erste in der Hansestadt alle klassischen Kreidetafeln komplett gegen elektronische Tafeln ausgetauscht. Die grüne Tafel wurde in den Klassenzimmern an den Rand des Raumes verbannt. In der Mitte der Wand prangt nun das Whiteboard - eine zirka 1,50 mal 2 Meter große weiße elektronische Schreibfläche, die mit einem Computer und einem Projektor verbunden ist. Das macht das Board zu einem wahren Alleskönner: Mit ihm kann man DVDs oder CDs abspielen, Tafelbilder erstellen, speichern und weiterbearbeiten. Und man kommt ins Internet.
«Mit den Whiteboards holen wir die Welt ins Klassenzimmer», sagt Schulleiterin Antje Westenhoff. Die Lehrer könnten einen besseren Bezug zur Welt herstellen. Andersrum können sie ihre Tafelbilder ins Internet stellen, wo die Schüler sie wiederum runterladen können. So werde auch der eigenverantwortliche Umgang mit Medien gefördert. «Und das ist ein wichtiger Teil von Bildung», sagt Westenhoff.
Die rund 40 Lehrer an dem kleinen humanistischen Gymnasium im Herzen Hamburgs benutzen inzwischen in allen Fächern die neue Technik. «Allerdings soll es keine Dauerbeschallung über acht Stunden am Tag werden», betont die Rektorin. Die Whiteboards würden gezielt eingesetzt.
Besser vorbereitet und zugleich flexibel
Für den Mathe- und Physiklehrer Stefan Grübel ist es eine Erleichterung, nun in jedem Klassenzimmer einfach seinen USB-Stick mit dem vorbereiteten Material nutzen, aber auch immer noch flexibel reagieren zu können. Auch lobt er, dass der Unterrichtsstoff mit dem neuen Medium anschaulicher gemacht werden kann: «Das erhöht die Aufmerksamkeit der Schüler.» Da spiele hinein, dass das Medium als spannend und interessant empfunden werde. «Im iPod-Zeitalter sind Touchscreens sehr populär», sagt Grübel.
Das kann Alexander nur bestätigen: «Der Unterricht ist lebendiger geworden. Vor allem in Mathe, weil Dinge viel besser veranschaulicht werden.» Seine Mitschülerin Josephine stimmt zu: «In den Stunden, in denen die Whiteboards genutzt werden, passt man besser auf.»
Auch andere Bundesländer setzen auf Whiteboards
Hamburg will die Whiteboards bis spätestens 2011 flächendeckend an 357 allgemeinbildenden Schulen einführen und nimmt damit eine bundesweite Führungsrolle ein. Derzeit haben laut Schulbehörde bereits rund 60 Schulen die neuen Geräte. Die Stadt hat für die Einrichtung schon unter der letzten Regierung im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms 5,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Auch andere Bundesländer setzen zunehmend auf die neue Technik: In Thüringen sind bereits mehr als 60 Schulen mit diesen elektronischen Schultafeln ausgestattet worden, wie der Sprecher des Landesinstituts für Lehrerfortbildung in Bad Berka, Rigobert Möllers, der AP sagte. Nach einer Testphase will das Land sehen, ob eine flächendeckende Ausstattung sinnvoll ist.
In Bayern gibt es inzwischen in vielen Gymnasien ein oder zwei elektronische Tafeln, wie der Würzburger Lehrer und Ministerialbeauftragte Rudolf Schmitt sagte. Die Erfahrungen seien gut. Im virtuellen Klassenzimmer Bayernmoodle.de können Schüler und Lehrer ihre Daten passwortgeschützt ablegen und aufrufen. Die Plattform zähle nach einem Jahr bereits 45.000 Benutzer, sagte ihr Gründer Schmitt stolz.
2.000 bis 3.000 Euro pro Tafel
In Brandenburg sind elektronische Tafeln bisher nur vereinzelt im Einsatz. «Die Schulen entscheiden in Absprache mit ihren Trägern selbst, ob sie umsteigen», sagt der Sprecher des Bildungsministeriums in Potsdam, Stephan Breiding. Das sei vor allem eine Finanzfrage: «Die meisten Kommunen sind nicht in der Lage, die Schulen schnell umzustellen.» Eine Tafel kostet inklusive Beamer durchschnittlich rund 2.000 bis 3.000 Euro. Der Preis variiert aber je nach Hersteller und Größe.
Der Systemadministrator des Hamburger Wilhelm-Gymnasiums weist außerdem darauf hin, dass das Lehrerkollegium für die Arbeit mit den Whiteboards qualifiziert werden muss. «Die kann man nicht einfach nur hinhängen», sagt Thomas Iser. Ansonsten scheinen die Nachteile überschaubar zu sein: Wenn die Sonne den Blick auf den Bildschirm erschwert, ziehen die Lehrer am Wilhelm-Gymnasium die Vorhänge zu. Sollte der Computer mal abstürzen oder der Strom ausfallen, greifen sie auf die alte grüne Tafel zurück.

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