Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, und der Deutsche Skiverband haben Aufklärung zu neuen Doping-Vorwürfen gefordert. Einhellig wandten sie sich am Mittwoch gegen einen pauschalen Verdacht und forderten eine seriöse Berichterstattung.
Danckert sagte auf N24: «Ich glaube, dass es kein aktueller Fall ist, sondern möglicherweise ein Derivat, ein Ableger aus der Geschichte, die im Zusammenhang steht mit den Olympischen Spielen in Turin. Da waren ja österreichische Wintersportler betroffen. Und da ist auch diese Blutbank ins Gespräch gekommen in Wien.»
Das Schwierige sei es, «aus Gerüchten Fakten zu machen», sagte der SPD-Politiker und fügte hinzu: «Denn es ist bei aller Skepsis gegenüber bestimmten Sportarten nicht gut, dass jetzt wieder Athleten von uns pauschal in Verdacht geraten und sich gar nicht dagegen wehren können. Von daher plädiere ich sehr stark dafür, dass wir aus Gerüchten Fakten machen.»
Er werde in den nächsten Tagen ein Gespräch mit dem für den Sport zuständigen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble führen. «Der muss mal mit seinem österreichischen Kollegen darüber reden, damit wir eine bessere Basis haben.» Andererseits sei es «richtig, dass die Journalisten darüber berichten, denn wir haben da mafiöse Strukturen - da soll man sich gar nichts vormachen. Das ist ein sehr kompliziertes Geflecht.» Zugleich hätten die Athleten ein Recht darauf, «auch entlastet zu werden. Dieser pauschale Verdacht gegen Spitzen-Biathleten aus Deutschland ist nicht gerechtfertigt», wurde Danckert zitiert.
«Keine Hinweise»
Dem Deutschen Skiverband liegen nach wie vor keinerlei konkrete Informationen über eine mögliche Verwicklung von eigenen Athleten in die zuletzt bekannt gewordene Affäre um eine Wiener Blutbank vor, wie die Organisation am Mittwoch mitteilte. Derzeit gebe es «weder Hinweise, Namen noch sonstige Anhaltspunkte, die diese pauschalen Vorwürfe bestätigen würden». Das sei von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) auf Nachfrage bestätigt worden. Auch eine Anfrage bei der Internationalen Biathlon Union (IBU) sowie den zuständigen Behörden in Österreich habe keinerlei Hinweise ergeben.
«Der Deutsche Skiverband erwartet im Sinne einer raschen Aufklärung die Nennung von Namen, sofern diese vorliegen sollten. Des Weiteren appelliert der Deutsche Skiverband an eine seriöse Berichterstattung auf einer rechtstaatlichen Grundlage», erklärte die Organisation.
Die ARD hatte am Dienstag berichtet, mindestens 30 Sportler, darunter erfolgreiche Radprofis wie Michael Rasmussen und Michael Boogerd, stünden unter dem Verdacht des Blutdopings. Die Sportler hätten die Dienste einer Blutbank in Wien in Anspruch genommen haben, berichtete die ARD ohne Nennung von Quellen. Rund zwei Drittel der Athleten stammten demnach aus Deutschland. Es handele sich um Sportler aus den Disziplinen Biathlon und Skilanglauf, die zumindest zum Teil zur Weltspitze gehören sollen. Zu den Kunden der Blutbank sollen laut ARD auch der russische Radprofi Denis Menchov und der Österreicher Georg Totschnig gehören, langjähriger Profi des deutschen Gerolsteiner-Teams.
