Die Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate (HRE) hat die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen. Es gebe ernstzunehmende Hinweise auf Gesetzesverstöße, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Die Staatsanwaltschaft München will indes vor Aufnahme von Ermittlungen ein Gutachten der Bafin abwarten. Man habe die Verdachtsanzeige eines Marktteilnehmers mit der Bitte um Überprüfung an die Finanzaufsicht weitergeleitet, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler.
Mit einem Ergebnis rechne man frühestens kommende Woche. Sollten sich aus dem Gutachten strafrechtlich relevante Vorgänge ergeben, werde die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen, sagte Winkler. Der Bafin-Sprecher erklärte, die Behörde gehen dem Verdacht auf unerlaubte Marktmanipulation, Insiderhandel sowie dem Verdacht auf Verstoß gegen die Richtlinien zur Ad-hoc-Publizität durch Entscheidungsträger der Bank nach. Der dritte Vorwurf betreffe direkt Vorstandsmitglieder der Bank, darunter auch den zurückgetretenen Vorstandschef Georg Funke. Man halte die von einem Marktteilnehmer erhobenen Vorwürfe für substantiiert, sagte der Sprecher.
Die HRE musste vor zwei Wochen von Bund und Finanzwirtschaft mit einem Notkredit von 50 Milliarden Euro gerettet werden. Der Aufsichtsrat der Bank hat inzwischen Untersuchungen gegen Funke und den früheren Vorstand Bo Heide-Ottosen wegen eines möglichen Fehlverhaltens eingeleitet. Zudem hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wegen des Verdachts auf gleich mehrere Rechtsverstöße Strafanzeige gegen Verantwortliche der Immobilienbank gestellt. Die Münchner Staatsanwaltschaft erwarte den Eingang dieser Anzeige in den kommenden Tagen, sagte Oberstaatsanwalt Winkler.
