Der Regisseur Werner Schroeter warnt vor einer kulturellen Verarmung der Gesellschaft. Der 63-Jährige forderte in der Wochenzeitung «Die Zeit» zu einem anderen Verhalten auf: «Mehr auf unsere Kultur Rücksicht nehmen und weniger in den Computer glotzen! Man muss sich erarbeiten, was wirklich wertvoll ist und womit wir seit Jahrhunderten umgehen. Es ist ein Wahnsinn, wie das unter den Tisch gekehrt wird.»
Schroeter fügte hinzu: «Die Computergesellschaft hat ja den Nachteil, dass sie das so wahnsinnig einfach macht. Das ist Auf-"n-Arsch-Setzen, Druffglotzen - das Gegenteil von dem, was ich mein Lebtag lang versucht habe.»
Treibendes Moment seines Lebens und Schaffens sei immer die Liebe gewesen: «Für mich fängt alles mit der Wertschätzung des anderen an, und die Annäherung an die Liebe bedeutet, den anderen nicht ändern zu wollen, sondern ihn als sinnvolle und leidenschaftliche Ergänzung zu sich selbst zu empfinden. Wissen Sie, ich bin unendlich gern allein, aber ich bin ungern einsam. Die Einsamkeit aufzulösen, darum geht es in der Liebe.»
Der 63-Jährige, der seit längerem unter den Folgen einer Krebserkrankung leidet, sagte weiter: «Der Tod hat mich schon als junger Mann angezogen. Wer sich nicht täglich wenigstens fünf Minuten mit dem Tod beschäftigt, der lebt ja nicht, sondern läuft nur vor etwas davon wie Dr. Kimble auf der Flucht.»
Sein neuer Film «Diese Nacht» soll Anfang nächsten Jahres in die deutschen Kinos kommen.
