Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sein Vorgänger Romano Prodi sollen im Prozess um die Entführung eines Terrorverdächtigen in einer verdeckten Aktion des US-Geheimdiensts CIA vor Gericht aussagen. Das entschied Richter Oscar Magi am Mittwoch in Mailand. Angeklagt sind in dem Verfahren insgesamt 26 Amerikaner und mehrere Italiener.
Berlusconi war Ministerpräsident, als der ägyptische Prediger Osama Moustafa Hassan Nasr im Februar 2003 verschwand. Nach Angaben der italienischen Staatsanwaltschaft wurde Nasr auf offener Straße in Mailand entführt, um zum Verhör in ein anderes Land gebracht zu werden. Er wurde schließlich in Ägypten zu vier Jahren Haft verurteilt. Nasr kam im vergangenen Jahr frei und erklärte, gefoltert worden zu sein. Der CIA hat eine Stellungnahme in dem Fall abgelehnt.
Die Aussage von Berlusconi wurde vom Anwalt eines Angeklagten, des früheren Geheimdienstchefs Nicolo Pollari, beantragt. Pollari hofft, dass Berlusconis Aussage belegt, dass er gegen diese Verschleppung war. Bei einer Verurteilung drohen Pollari bis zu zehn Jahre Haft.
