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15. Mai 2008
BAP starten "Radio Pandora" in Essen


Essen - «"Verdamp lang her" wird es heute nicht geben», sagt Wolfgang Niedecken zum Beginn des Konzerts seiner Band BAP im Essener Kinopalast «Lichtburg». 20 neue Lieder von den beiden gleichzeitig am Freitag erscheinenden Alben «Radio Pandora» in den Versionen «Plugged» und «Unplugged» standen am Mittwochabend vor rund 1.000 Fans auf dem Programm. Das Publikum jubelte, als ob das Kölner Quintett den üblichen Mix aus nunmehr 32 Jahren BAP gespielt hätte.

Dabei ist es auch schon wieder verdammt lang her, dass Niedecken und Co die «Lichtburg» zu ihrem «Wohnzimmer gemacht haben: Vor acht Jahren entstand hier unter der Regie von Wim Wenders der BAP-Film «Viel passiert». Bei der Wahl des Schauplatzes für die Präsentation des ersten Studioalbums im vierten BAP-Jahrzehnt lief nun das in den 20er Jahren gegründete Kino den «kölschen» Clubs den Rang ab.

«Radio Pandora» ist die erste Studioproduktion seit den vor vier Jahren erschienenen «Sonx»; dazwischen gab es das Jubiläum «Drei mal zehn Jahre». Niedecken erzählt Geschichten von unterwegs; folgerichtig begann das auch im Internet übertragene Essener Konzert mit «Wat für e Booch» - eine Hommage an das vor nunmehr 51 Jahren erschienene Werk «On The Road» - zu deutsch «Unterwegs» des Beat-Generation-Autors von Jack Kerouac.

«Ich hatte vier Jahre Zeit, die Geschichten, die ich erzähle, zu erleben», erklärte Niedecken vor der Essener «Pandora»-Premiere im AP-Interview. «Das ist natürlich ein ungeheurer Vorteil, ein Privileg, das so ein Leben mit sich bringt: Du tourst viel, das ist auch Arbeit, das ist nicht immer nur Vergnügen. Aber dazwischen hast du auch Zeit, Sachen zu erleben. Sei es zu Hause, sei es Gott weiß wo in der Welt, und ich reise nun mal gerne.»

Seine Geschichten sind nun auf zwei Alben mit jeweils 14 Liedern vertont; es ist Musik zu Geschichten, die zu Niedecken nach Hause kamen, unterwegs in Deutschland, auf Reisen in New York, Argentinien, Marokko und, in seinen Engagement als Botschafter «Gemeinsam für Afrika», auch in Norduganda. Lieder mit einem musikalischen Doppelleben, die rockig auf einer «Plugged»-Version und im atmosphärischen akustischen Ambiente eines separaten «Unplugged»-Albums.


«Noch nie eine so gute Besetzung»

In Essen zeigte sich, dass BAP mit Helmut Krumminga an der Gitarre, Michael Nass an den Keyboards, Werner Kopal am Bass, Jürgen Zöller am Schlagzeug und Niedecken als Sänger und Rhythmus-Gitarrist zu einer mit vielen musikalischen Wassern gewaschenen Einheit zusammengewachsen sind. Von Blues über Country bis Jazz und Rock reicht die Bandbreite, Lieder wie «Kron oder Turban» bekommen «plugged» und «unplugged» sozusagen zwei Leben, eine zweite Identität.

«Es ist natürlich doof, wenn man das selber sagt: Aber ich glaube, das wir noch nie eine so gute Besetzung hatten, wie wir sie jetzt haben», erklärte Niedecken im AP-Gespräch. «So eine versiert spielende, wo so viele Einflüsse auch wahrgenommen und verarbeitet werden.» Das liege auch am Altersunterschied innerhalb der Band: «Der Trommler ist 60 und unser Keyboarder ist gerade mal um die 40. Der hört natürlich auch noch etliche andere Geschichten, als ich sie höre. Ich bin der zweitälteste, ich bin 57, und der Schlagzeuger ist voll in der Beatles-Soul-Phase eingestiegen in die Musik. All diese Einflüsse sind gespeichert und das gehört alles zum Material, mit dem man arbeiten kann.»

«Wenn du dann wirklich versierte Leute hast, die ihre Instrumente beherrschen, und die auch kreativ sind, da kannst du natürlich so ein Album anmachen, wenn du sie auch alle lässt», fährt er fort. «Wenn du nicht hingehst und sagst: "Nee, nee, ich bin hier der Chefkomponist, spiel bitte anders. Spiel nicht so, spiel so, wie ich das jetzt auf meinem Demo hier abgeliefert habe." Das ist bei uns Gott sei Dank nicht der Fall. Bei uns lässt jeder die Kreativität der anderen zu, freut sich auch drauf, wenn die anderen was anschleppen.»


«Money» für Daum

Die «Pandora-Show in Essen zeigte, dass für BAP ein Saal mit tausend Leuten noch zu klein ist. Nach zwei Open-Air-Konzerten im Sommer folgt im November die «Radio Pandora»-Tour durch die größeren Hallen der Republik. Die Zugabe in Essen war laut Niedecken der erste Song, den er 1964 mit seiner ersten Schülerband einstudierte: «Money» in der Version der Beatles. Niedecken widmete das Lied «aus gegebenem Anlass» - dem Aufstieg des 1.FC Köln in die Bundesliga - FCK-Trainer Christoph Daum. Der Refrain lautet: «Give me money, that"s what I want» (»Gib mir Geld, das ist, was ich will.»)






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