Nach Bekanntwerden der neuesten Datenpanne bei der Telekom werden die Forderungen nach personellen Konsequenzen in der Chefetage des Konzerns immer lauter. «Derjenige im Vorstand, der dafür Verantwortung trägt, hat den Hut zu nehmen», sagte Hans-Peter Uhl, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Innenpolitik der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, der «Frankfurter Rundschau».
Auch Silke Stokar, Datenschutzexpertin der Grünen im Bundestag, forderte demnach, dass die für die Pannen Verantwortlichen persönliche Konsequenzen ziehen müssten. Gewerkschafter und T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm verlangte eine umfassende Untersuchung der Vorgänge. Sollte ein Fehlverhalten des Managements vorliegen, müssten das Konsequenzen haben, sagte er der AP am Montag. Presseberichte, wonach er einen Rücktritt des T-Home-Vorstands Timotheus Höttges gefordert hatte, wies er zurück.
Wilhelm beklagte vor allem, dass der Aufsichtsrat über die Datenpannen regelmäßig «komplett im Dunkeln gelassen» werde. «Ich erfahre die neuesten Pannen über mein Autoradio, das darf so nicht sein», betonte er. Die Telekom sehe ihr Zukunftsgeschäft im Datentransfer, verhalte sich aber «wie eine Klitsche, die von einer Garage aus agiert».
Ein Telekom-Sprecher wies die öffentliche Schelte am Montag zurück. Der Aufsichtsrat sei rechtzeitig über die neuesten Entwicklungen informiert worden. Es wäre sicherlich hilfreicher, mit konstruktiven Vorschlägen an dem Problem zu arbeiten, betonte er.
Neues Sicherheitsleck
Die Telekom hatte am Wochenende kurz nach der Ankündigung neuer Standards beim Datenschutz ein neues Sicherheitsleck einräumen müssen. Bis zum Donnerstag konnten persönliche Informationen von 30 Millionen Handy-Kunden mit jedem beliebigen Internet-Computer eingesehen und verändert werden, wie der «Spiegel» berichtete.
Uhl erklärte, ein neues Datenschutzgesetz müsse dafür sorgen, dass Firmen wie die Telekom stärker überwacht würden. «Es ist Aufgabe des Staates, die Kontrolleure zu kontrollieren», zitierte ihn die «FR».
Die Datenschutzexpertin Stokar forderte eine Wiedergutmachung für die geschädigten Kunden. Die Entschuldigung von Telekom-Chef Obermann reiche nicht aus. «Wenn die Telekom ihre Kunden nicht verlieren will, sollte sie den von Datenpannen Betroffenen Gutschriften zukommen lassen», sagte sie.
Pannenserie reißt nicht ab
Beim T-Mobile-Konkurrenten Vodafone soll ab November die frühere Bundesfamilienministerin Renate Schmidt als Ombudsfrau den Schutz von Kundendaten und die Einhaltung von Vorschriften verbessern. Die SPD-Bundestagsabgeordnete werde bei Deutschlands zweitgrößtem Mobilfunkkonzern als Ansprechpartner für Mitarbeiter zur Verfügung stehen, wenn sie mit rechtlich oder ethisch-moralisch fragwürdigen Dingen konfrontiert würden oder gar Gesetzesverstöße vermuteten, kündigte der Konzern in Düsseldorf an.
Im Zusammenhang mit dem Diebstahl von 17 Millionen Datensätzen der Telekom durchsuchte die Staatsanwaltschaft nach Informationen der «Frankfurter Rundschau» am Montag die Räume des Mainzer Erotikunternehmers Tobias Huch. Die Zeitung berichtete in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf den Vater des Unternehmers, rund zehn Beamte seien gegen 9.00 Uhr morgens mit einem Durchsuchungsbeschluss gekommen und hätten auch die Privaträume von Tobias Huch durchsucht.
Man sei erstaunt über das Vorgehen: «Jemanden, der sich als Zeuge gemeldet hat, sollte man nicht wie einen Schwerkriminellen behandeln.» Tobias Huch habe den rheinland-pfälzischen Landesbeauftragten für Datenschutz angerufen, damit dieser die Löschung der Daten überwache.
