Der Reisekonzern TUI will mit dem Verkauf seiner Containertochter Hapag-Lloyd weitgehend schuldenfrei werden und zu Europas führendem Freizeitanbieter expandieren. Von den rund 3,9 Milliarden Euro Schulden der TUI-Gruppe sollen nach dem für Januar nächsten Jahres erwarteten Verkaufsabschluss nur noch rund 600 Millionen Euro übrig bleiben, teilte das Unternehmen am Montag mit. Börse, Politik und Hapag-Lloyd-Mitarbeiter reagierten unterdessen positiv auf die Entscheidung für die Hamburger Lösung.
Der TUI-Aufsichtsrat hatte am Sonntag beschlossen, Hapag-Lloyd für insgesamt 4,45 Milliarden Euro an eine Tochtergesellschaft der Albert Ballin KG - ein Hamburger Konsortium aus dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne, der Privatbank M.M. Warburg, der Hanse Merkur, der Signal Iduna, der HSH Nordbank und der Stadt Hamburg - zu verkaufen. Die TUI will sich mit 33,3 Prozent an der Gesellschaft beteiligen.
Der geplante Verkauf von 66,7 Prozent von Hapag-Lloyd bringt nach Angaben von TUI 2 Milliarden Euro Cash sowie die Entlastung von 1,3 Milliarden Euro Schulden, die der Käufer übernimmt. Die noch verbleibenden Verpflichtungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro könnten rein theoretisch abgezahlt werden, wenn die TUI AG auch die restlichen 33,3 Prozent Hapag-Lloyd-Anteile verkauft, die mindestens 700 Millionen Euro wert sind.
Mögliche Übernahme von TUI Travel
Statt eines völligen Schuldenabbaus will der Konzern den Gewinn aus dem Verkauf jedoch für Investitionen nutzen, um zu expandieren. So sei eine Option die Übernahme der Tourismus-Tochter TUI Travel, an der der Konzern derzeit gut 51 Prozent hält.
TUI-Großaktionär John Fredriksen, der knapp über 15 Prozent hält, will die Entscheidung zunächst eingehend prüfen lassen, wie ein Sprecher sagte. Der aus Norwegen stammende Reeder und Milliardär hatte den Verkauf der Containersparte überhaupt erst angestoßen, ihn in den vergangenen Monaten aber torpediert. Er fürchtet, dass TUI den Erlös nicht an die Aktionäre weitergibt.
Der zweite Großaktionär, der Russe Alexej Mordaschow, begrüßte die Entscheidung hingegen. Eine Sprecherin von Mordaschows S-Group sagte der AP, das Ergebnis stehe im Einklang mit der langfristigen Orientierung des Unternehmens als verlässlicher Investor bei TUI. Auch sei es für die derzeitige Marktsituation sehr gut ausgefallen. Die S-Group hält derzeit mehr als 15 Prozent an der TUI.
Auch die Börse reagierte positiv: Die TUI-Aktie legte am Montag bei insgesamt steigenden Kursen zeitweise um fast 17 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Freitag zu.
Reederei-Betriebsräte loben gute Perspektive
Bei den Mitarbeitern von Hapag-Lloyd sorgte die Entscheidung für Feierstimmung. Die Betriebsräte lobten die Hamburger Lösung am Montag als «die deutlich bessere Perspektive für das Unternehmen, seine Arbeits- und Ausbildungsplätze» als ein Verkauf nach Singapur. «Unser Kampf hat sich gelohnt, unser Ziel ist erreicht. Das ging nur gemeinsam», hieß es in einer Mitteilung der Betriebsräte.
