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14. Oktober 2008
Immer mehr Kritik an Wutausbruch Reich-Ranickis


Frankfurt - Die Kritik an der pauschalen Verurteilung des Fernsehens durch Marcel Reich-Ranicki nimmt zu. WDR-Intendantin Monika Piel sagte dem «Kölner Stadtanzeiger»: «Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist nicht schlecht.» Sie nehme den Anstoß des Literaturkritikers für die ARD aber gerne auf. «Wir führen diese Qualitätsdiskussion auch längst intern», sagte Piel und forderte die Privatsender auf, dies auch zu tun. Unverständnis für den Wutausbruch des 88-Jährigen äußerten die Moderatorinnen Barbara Schöneberger und Bettina Böttinger als Mitglieder der Jury des Deutschen Fernsehpreises.

Der von Reich-Ranicki verschmähte Ehrenpreis von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 steht auf einem Telefontischchen im Haus der TV-Produzentin Katharina Trebitsch in Hamburg. Dort soll er aber nicht bleiben, wie das «Hamburger Abendblatt» berichtete. «Mir steht sie schließlich nicht zu», sagte Trebitsch dem Blatt. Es sei «Marcel Reich-Ranicki» eingraviert. Für ihn sei nicht das gesamte deutsche Fernsehen eine Katastrophe, sondern vielmehr das, was ihm bei der Verleihung als Abbild des Fernsehens geboten worden sei, stellte Trebitsch klar.

WDR-Intendantin Piel sagte: «Ich habe ihn vorgeschlagen und mich sehr dafür eingesetzt, dass ihm der Ehrenpreis der Stifter zuerkannt wird, denn Reich-Ranicki hat Einzigartiges im Fernsehen geleistet.» Dessen Kritik habe sie «etwas gespalten» aufgenommen. Er hätte sich vorher informieren können, wie so eine Preisverleihung ablaufe, sagte Piel. «Andererseits habe ich Verständnis für ihn. Er ist ein alter Herr, der recht lange auf einem harten Stuhl sitzen musste. Das ist schon körperlich eine Tortur.»

«Wir arbeiten dran»

Sie könne auch verstehen, dass ihn nicht alles auf der Bühne interessiert habe. «Aber es geht um das Medium, dem Reich-Ranicki auch einen Teil seiner großen Popularität zu verdanken hat», sagte Piel. Sie selbst setzt sich dafür ein, dass im Ersten Programm zur Hauptsendezeit Events, Kultur wie Theater- oder Operninszenierungen wie auch Dokumentationen gesendet werden. «Wir arbeiten daran», sagte die Intendantin.

Moderatorin Schöneberger kritisierte die Erwartung Reich-Ranickis an das Fernsehen. Sie sagte in der ARD-Talkshow «Beckmann», man könne auch nicht ins Fußballstadion zu Hertha gehen und dann fragen, warum die Berliner Philharmoniker nicht da seien. Reich-Ranicki stehe gerne im Mittelpunkt, meinte Schöneberger.

Eitelkeit sieht auch Moderatorin Böttinger als ein Motiv: «Er ist 88 Jahre alt und kann keine reine Freude mehr an einer solchen Gala haben, zumal wenn er als sehr selbstbezogener Mensch erkennen muss, dass nur ein kleiner Teil des Abends ihm gewidmet ist», sagte sie dem «Münchner Merkur».

Nach ihrer Ansicht belegt die Auszeichnung von «Contergan» als bester Fernsehfilm, von Misel Maticevic als bester Schauspieler und «Das Schweigen der Quandts» als beste Dokumentation, dass die Pauschalkritik Reich-Ranickis nicht zutrifft. «Da den Holzhammer rauszuholen und zu behaupten, das sei alles Schrott, finde ich außerordentlich peinlich», sagte Böttinger.

Der 77-jährige Schauspieler Mario Adorf kritisierte in der rbb-Sendung «Thadeusz» die Zurückweisung des Ehrenpreises. «Reich-Ranicki ist ein großer Kritiker, und er ist in einem Alter, da kann man die Wahrheit sagen. Aber wenn ich hingehe, dann würde ich den Preis auch nehmen», sagte Adorf.

Das ZDF strahlt am Freitagabend um 22.30 Uhr unter dem Titel «Aus gegebenem Anlass» ein Gespräch Gottschalks mit Reich-Ranicki über seine Anliegen aus.








 
 



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