Italiens erfolgreichste Rocksängerin Gianna Nannini meldet sich mit ihrer Greatest-Hits-Sammlung «Giannabest» (Universal) und drei neuen Songs zurück. Mitte Mai tourt die Sängerin als «Special Guest» von Bon Jovi durch sechs deutsche Fußballstadien.
Im 32. Jahr ihrer Musikkarriere strotzt die Musikerin immer noch vor energiegeladener Lebens- und Streitlust. «Älter werden kann ich später», scherzte die 51-jährige Nannini im AP-Interview. «Ich mache Musik, bis ich sterbe», sagte die promovierte Philosophin und Umweltaktivistin lachend. «Ich fühle mich fit. Ich habe eine Mission zu erfüllen, wenn ich auf der Bühne stehe.» Sie lebe gesund, erklärte die Rocksängerin, die ohne Rockallüren auskommt. «Ich habe noch nie harte Drogen genommen. Schau" dir doch an, was aus Stars wie Janis Joplin geworden ist», so Nannini, die ein Fan von Tokio Hotel ist. «Ja, ich liebe sie. Sie sind großartig!»
Leidenschaftlich und kritisch
Musikalisch bleibt sich Nannini treu. Zwei der drei kraftvollen Popsongs kreisen sich um Liebesbeziehungen, im dritten «Mosca Cieca», zollt sie der 2006 ermordeten russischen Journalistin und Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja einen letzten Tribut. «Mosca Cieca», ist auf Italienisch das Blindekuhspiel, lässt sich aber auch als «Blindes Moskau» lesen: Wer wie die ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja nicht die Augen verschließt, Tabuthemen anspricht und Kritik an der Regierung verübt, lebt gefährlich.
Nachdenklich erzählt die Sängerin in ihrem leidenschaftlichen Liebesdrama «Suicido d"Amore» (»Liebesselbstmord») von der Kraft der Liebe. Offen bleibt, ob die Liebe zwei Liebende vor dem Selbstmord bewahrt oder sie gemeinsam in den Tod gehen lässt. «Pazienza» schließlich handelt von einer eingefahrenen, langjährigen Beziehung, die wieder aufgefrischt werden soll. «Wer weiß, ob wir noch eine Chance haben, ob für uns noch eine neue Jahreszeit anbrechen kann...», singt sie.
Alle drei Songtexte hat die Sängerin erneut gemeinsam mit dem Liedermacher Pacifico geschrieben. «Einen Song zu machen, ist wie wenn man einen Film macht. Erst habe ich die Musik gemacht und dann den Text dazu geschrieben», erklärte sie.
In ihrer Heimat eroberten «Suicido d"Amore» und «Pazienza» 2007 die Spitze der Charts. Neben den drei neuen Tracks verpackte Nannini ihre zahlreichen Hits auf dem Best-Of-Album «Giannabest», das in Italien mit Fünffach-Platin ausgezeichnet wurde. Darauf sind unter anderem Hits wie «Profumo», «America», «Sei nell" Anima», «Io», «Bello Impossible», «Latin Lover», «I Maschi», «Aria», «Meravigliosa Creatura» und «Fotoromanza» zu hören.
Klassik meets Rock
Am 22. Mai spielt die Rockrebellin mit ihrer Band als «Special Guest» von Bon Jovi. «Ich habe die Jungs noch nie zuvor getroffen, aber ich mag sie. Sie scheinen mir ehrlich», sagte Nannini. «Ich freue mich auf die Stadion-Konzerte», die «ohne Special Effects» auskommen. «Ich brauche das nicht. Ich bin der Specialeffekt auf der Bühne», erklärte sie lachend. «Ich habe eine super Band und ich werde dem Publikum ein neues Gesicht von Gianna zeigen.», sagte sie. «Denn meine Songs sind wie schwarz und weiß. Ein Song ist hart, der nächste schon wieder melancholisch oder entspannt.»
Nach der Deutschlandtour will sich Nannini wieder ihrem Opernprojekt widmen. 2007 debütierte sie als Opernautorin mit «Pia - Come La Canto Io», einer Rock-Oper über Leidenschaft und Eifersucht. «Alle meine Songs kommen von der Oper», sagte sie. «Sie haben einerseits die klassische italienische Oper und Folklore als Hintergrund, andererseits den modernen Rock. Meine Musik ist Opern-Rock.» Ihr neues Projekt handele von einer Frau, die in ihrer Heimatstadt - Siena - geboren wurde. Mehr wolle sie aber nicht verraten.
Die Tourdaten: 22.05. Gelsenkirchen (Veltins Arena), 24.05. München (Olympiastadtion), 25.05. Leipzig (Zentralstadion), 28.05. Hamburg (HSH Nordbank Arena), 29.05. Stuttgart (Gottlieb-Daimler-Stadion) und 03.06. Frankfurt (Commerzbank Arena).
