Zwei abgesägte Hörner, feuerrote Haut und übernatürliche Kräfte sind die Kennzeichen der Comicfigur Hellboy. Sie stammt direkt aus der Hölle, wurde aber zum gutartigen Biest sozialisiert. Seitdem kämpft Hellboy im Dienste der Geheimdienst-Abteilung für Paranormales gegen allerlei Gezücht, unterstützt von seiner Freundin Liz, die zur lebenden Fackel werden kann. In seinem zweiten Abenteuer «Hellboy Die goldene Armee» bekommt es der gezähmte Teufelsbraten mit einem wütenden Elfenprinzen zu tun, der den Umweltschädling Mensch vernichten will.
Der am 16. Oktober anlaufende Fantasy-Film setzt die Kenntnis von Hellboys Vergangenheit voraus und zeigt «Red» anfangs in den Fängen eines ganz unheldischen Beziehungsalltags. Mehr als das Dämonenjagen setzt ihm der private Kleinkrieg mit seiner Liebsten Liz zu, die dem lässigen Schlamper die Rote Karte zu zeigen droht. Derweil sucht der machtgierige Elfenprinz Nuada fieberhaft die Stücke einer Krone zusammen, mit deren Zauberkräften er die legendäre «Goldene Armee» zum Leben erwecken will. Seine Zwillingsschwester Nuala flüchtet jedoch mit dem letzten Kronenzacken zu Hellboys Hauptquartier, wo sich sein Kumpel Abe ein fischiges Amphibienwesen - in sie verliebt.
Oder so ähnlich. Es ist fast unmöglich, die Handlung mit ihrer Armada von lichtscheuen Gestalten samt jeweiligem Spezial-Hokuspokus zu überblicken. Doch dafür ist das Spektakel relativ unblutig und besitzt einen verspielten Charme, von dem die meisten Superhelden-Filme nur träumen können. Etwas anderes hätte man von Guillermo del Toro auch nicht erwartet: Der Mexikaner, der mit dem atmosphärischen Horrorfilm «Mimic» und der launigen ersten Hellboy-Comicverfilmung Achtungserfolge erzielte, gilt spätestens seit dem märchenhaften Faschismusdrama «Pans Labyrinth» als einer der visuell kreativsten Filmemacher der Welt.
Käsiger Elfenprinz
Auch den absonderlichen Wesen, die Hellboy aufstöbert, ist die Verwandtschaft zu den schauerromantischen Kreaturen in dem Oscar nominierten Drama anzusehen. Dabei bedient sich Del Toro durchaus ungeniert im Fundus von Märchen, Mythen und anderen Fantasy-Filmen wie «X-Men», «Men in Black» und «Star Wars», lässt Trolle, Kobolde und Felsenriesen aufmarschieren; sein käsiger Elfenprinz hingegen ist eine anämische Legolas-Version aus «Der Herr der Ringe». Überhaupt ähnelt der Regisseur dem Kollegen Peter Jackson nicht nur optisch, sondern besitzt eine vergleichbare Leidenschaft für das Filmemachen. Es gelingt ihm, jede Figur mit seiner eigenen düster-poetischen Handschrift zu versehen.
So weist das überlange Treiben immer wieder Momente abgedrehten, surrealen Humors auf - wie etwa nette alte Damen, die herrenlose Katzen aufsammeln, um sie zu essen. Unter der Brooklyn Bridge befindet sich ein Trollmarkt, wo Männer, die Babys tragen, tatsächlich einen Tumor schleppen. Und die «Zahnfeen», die nach den allgegenwärtigen Halloween-Kürbissen als nächste angelsächsische Kulturanleihe auch hierzulande Brauch zu werden drohen, entpuppen sich hier als bissige kleine Piranhas. Dagegen ist kein Monstersterben bewegender als der Untergang des Baumriesen, der durch das Pflaster von Manhattan stößt und von Hellboy mit blutendem Herzen erledigt wird.
Sonnenbrandrotes Gemütstier
Neben den fantasievollen Parallelwelten erstreckt sich der Einfallsreichtum auch auf Hellboys Entourage. Ärger gibt es etwa mit dem effizient-pedantischen Herr Krauss, einem Abgesandten der Deutschen Abteilung für Paranormales, der aus viel heißer Luft in einem Taucheranzug besteht. Hellboy selbst aber bleibt trotz seiner sonnenbrandroten Erscheinung ein uriger Kerl, der zum Glücklichsein nur ein paar Dosen Bier, seine Katzen, das Fernsehen und Liz braucht: ein proletarisch angehauchtes Gemütstier von einfachem Gemüt, mit Humor, Herz und hohem Identifikationspotenzial. Auch hier beweist Del Toro Stilsicherheit - ein gutes Omen für seine kommende Verfilmung des «Kleinen Hobbit».
