Irgendwann holt der Tod jeden. Wie man ihm, wenn er vor der Türe steht, aber zumindest ein paar zusätzliche Lebensjahre abluchsen kann, zeigt «Die Geschichte von Brandner Kaspar». Joseph Vilsmaier hat die bayerische Erzählung für das Kino neu in Szene gesetzt. Darin füllt das Schlitzohr den Sensenmann mit Schnaps ab und trickst ihn aus. Ungewöhnlich besetzt ist dabei die Rolle des Tods mit Komiker Michael «Bully» Herbig.
Der Brandner Kaspar (Franz-Xaver Kroetz), ein alter Büchsenmacher, wildert in den Wäldern rund um den Tegernsee. Zusammen mit seiner Enkelin Nannerl (Lisa Maria Potthoff) lebt der Witwer in einer alten Hütte ein ruhiges Leben. Nach einem Jagdunfall, der sein Schicksal besiegeln sollte, bekommt er Besuch vom Tod, dem «Boanlkramer», der ihn mitnehmen will.
Doch so einfach will Brandner ihm nicht folgen und verhandelt über einen Aufschub. Zwar kann er den Tod nicht überreden, doch mit einem Dutzend Gläsern Kirschgeist und einem Kartentrick ergaunert sich der Wilderer 21 weitere Lebensjahre.
Der Sensenmann sieht sich nun in einer peinlichen Lage - seit mehr als 1.000 Jahren ist es sein erster Patzer, den er zunächst zu vertuschen versucht. Als ihm die himmlische Bürokratie schließlich trotzdem auf die Schliche kommt, ist nun der Tod an der Reihe, es mit einer List zu versuchen.
Tod mit menschlichen Schwächen
Kleine Schwächen und Marotten lassen den Tod - und auch den Himmel - in der «Geschichte vom Brandner Kaspar» ungemein menschlich erscheinen. Herbig spielt einen Knochenmann mit Lastern und Zahnersatz. Er verträgt keinen Schnaps, und manchmal ist es auch dem Tod zu kalt. Nach diversen eher mittelmäßigen Leinwandversuchen unter eigener Regie macht es hier wieder einmal wirklich Spaß, «Bully» zuzusehen. So tauscht er sein treues Pferd samt Kutsche gegen ein dampfbetriebenes Vehikel aus, verspricht dem Gaul aber dennoch ein paar Botenritte.
Sein listiger Gegenspieler wird von Kroetz als Klischee von einem Urbayern angelegt, das - kaum sind der Tod betrogen und die Lebensjahre gesichert, zu neuem Leben erwacht, trinkt, raucht und mit einer Bekannten im Bett landet.
Puristen und Anhänger der legendären Theaterinszenierung des Brandner Kaspers mit den bayerischen Volksschauspielern Gustl Bayrhammer, Fritz Strasser und Toni Berger - die einen deutlich zurückhaltenderen Humor pflegt - mag dies stören. Für eine massentaugliche Kinokomödie muss das aber vielleicht so sein.
Glückliches Händchen bei den Nebenrollen
Ein glückliches Händchen hatte Regisseur Vilsmaier bei der Besetzung seiner Nebenrollen. Herbert Knaup weist als Erzengel Michael Neuankömmlingen im bayerischen Himmel den Weg zu Bier, Weißwurst und Brezen. Zwar ist der grimmige Paradies-Türsteher permanent um Haltung bemüht, vergisst dabei vor lauter Grantelei über die Preußen aber ständig sein flammendes Schwert.
Eines der Highlights des Films ist einer dieser Preußen, auch er nur eine - oder genauer gesagt zwei - Nebenrollen. Detlef Buck spielt einen General von Zieten und dessen verstorbenen Vorfahren. Der General will seinen Ruhestand als Tourist in Bayern verbringen, doch weil Brandner noch lebt, kann von Zieten nicht in dessen Haus ziehen, wie im himmlischen Plan vorgesehen. Grund genug, für seinen Vorfahren sich im bayerischen Himmel mal gründlich zu beschweren, schließlicht bringt Brandners Schummelei beinahe die Weltgeschichte aus den Fugen.
Die militärisch analytische Art der beiden Preußen bildet einen deutlichen Kontrast zur lebensfroh barocken Art der Bayern im Film. Während etwa der Bürgermeister sich über Brandner aufregt, der ihm als Wilderer ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt, resümiert von Zieten militärisch: «Wenn der Feind strategisch gewitzter ist, muss man ihm Respekt zollen.»
Zusammen ergibt dies einen kurzweiligen Film, der bayerische Klischees bedient sie dabei aber durchaus auch aufspießt. Allerdings ist das Werk ernster, als es auf den ersten Blick scheint. Seine durchaus lustigen und seichten Phasen wechseln sich ab mit Szenen von bedrückender Traurigkeit. Der Tod ist nicht immer zu sehen und doch die ganze Zeit fühlbar.
«Die Geschichte vom Brandner Kaspar» startet am 16. Oktober und ist laut Regisseur und Produzent als bayerische Antwort auf Halloween gedacht.
