Zur Verbesserung der Atmosphäre bei den Zypern-Gesprächen hat die griechisch-zyprische Seite das jährliche Manöver ihrer Nationalgarde abgesagt. Dies stehe im Einklang mit der Bitte an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, für eine generelle Einstellung von Militärübungen auf der geteilten Mittelmeerinsel einzutreten, erklärte der griechisch-zyprische Präsident Dimitris Christofias am Montag in Nikosia. Er kam dort zur fünften Gesprächsrunde mit dem türkisch-zyprischen Volksgruppenführer Mehmet Ali Talat zusammen.
In dessen nördlichen Landesteil sind seit der Teilung von 1974 rund 35.000 Soldaten der Türkei stationiert. Deren Präsenz zählt zu den kritischsten Streitpunkten bei den Verhandlungen der beiden Volksgruppen. Griechenland unterhält indes nur ein kleines Kontingent im Süden, um die aus 8.000 Mann bestehende Nationalgarde zu unterstützen. Christofias hat wiederholt betont, dass das Klima auf der Insel verbessert werden könnte, wenn beide Seiten ihre Manöver einstellten. Die jüngste Militärübung der griechischen Zyprer hätte von Dienstag bis Freitag stattfinden sollen.
Am vergangenen Freitag vereinbarten Christofias und Talat, sich fortan wöchentlich zu treffen. Sie haben sich bereits im Grundsatz auf eine föderale Struktur verständigt, mit der die Teilung überwunden werden soll. Sie sind sich aber noch nicht einig, welche Befugnisse die gemeinsame Zentralregierung haben soll.
Die türkischen Zyprer streben eine lockere bundesstaatliche Ordnung an, weil sie andernfalls fürchten, von der griechischen Seite dominiert zu werden. Christofias wünscht hingegen eine stärkere Zentralregierung und will die Befugnisse der Regionen möglichst begrenzt halten. Die sechste Gesprächsrunde soll am 22. Oktober stattfinden.
