Der Reisekonzern TUI will mit dem Verkauf seiner Containertochter Hapag-Lloyd weitgehend schuldenfrei werden. Von den rund 3,9 Milliarden Euro Schulden, mit denen die TUI-Gruppe eigenen Angaben zufolge für Ende 2008 rechnet, können nach dem für Januar nächsten Jahres erwarteten Verkaufsabschluss rund 3,3 Milliarden abgebaut werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der geplante Verkauf von 66,7 Prozent der Reederei Hapag-Lloyd bringe 2 Milliarden Euro Cash sowie die Entlastung von 1,3 Milliarden Euro Schulden, die der Käufer übernimmt.
Danach wären nur noch Verpflichtungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro übrig. Diese könnten rein theoretisch noch abgezahlt werden, wenn die TUI AG auch die restlichen 33,3 Prozent Hapag-Lloyd-Anteile verkauft, die mindestens 700 Millionen Euro wert sind.
Statt eines völligen Schuldenabbaus will der Konzern den Gewinn aus dem Verkauf aber vor allem für Investitionen nutzen, um dem Ziel näherzukommen, das führende Freizeitunternehmen in Europa zu werden. So sei eine Option die Übernahme der Tourismus-Tocher TUI Travel, an der der Konzern derzeit gut 51 Prozent hält.
Im Hinblick auf die Aktionäre und eine mögliche Dividende erklärte TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake am Montag, dazu könne derzeit noch nichts gesagt werden. Die Anleihebedingungen für die insgesamt 2,02 Milliarden Euro hohen Schulden der TUI sehen vor, dass das Geld entweder zur Tilgung verwendet oder investiert werden muss. Daher könnte der Verkaufserlös nicht an die Aktionäre ausgegeben werden. Feuerhake beteuerte jedoch, auch die Interessen der Anteilseigner würden gewahrt.
Der TUI-Aufsichtsrat hatte am Sonntag beschlossen, Hapag-Lloyd für insgesamt 4,45 Milliarden Euro an eine Tochtergesellschaft der Albert Ballin KG, eines Hamburger Bieterkonsortiums um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, zu verkaufen. Die TUI will sich mit 33,3 Prozent an der Gesellschaft beteiligen.
