Die deutsche Traditionsreederei Hapag-Lloyd bleibt ein Hamburger Unternehmen. Der Aufsichtsrat des TUI-Konzerns entschied am Sonntag, die Schifffahrtssparte an das Hamburger Bieterkonsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne zu verkaufen. «Mit einer Gesamtbewertung von 4,45 Milliarden Euro hat sich das so genannte Hamburger Konsortium in dem Bieterkampf durchsetzen können», sagte TUI-Vorstandschef Michael Frenzel nach der Sondersitzung des Gremiums am Sonntagabend.
Beschlossen wurde der Verkauf sämtlicher Anteile der Hapag-Lloyd AG an eine Tochtergesellschaft der Albert Ballin KG, so der Name des Konsortiums. TUI will sich aber zu 33,33 Prozent an der neuen Gesellschaft beteiligen. Der Verkauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden.
«Wir haben trotz widriger Umfeldbedingungen einen Preis für die Containerschifffahrt erzielt, der den fairen Wert auch unter normalen Marktbedingungen widerspiegelt», betonte Frenzel. Der Verkauf von lediglich zwei Dritteln der Hapag-Lloyd habe diesen Preis ermöglicht
Der Hamburger Finanzsenator Michael Freytag sprach von einer Punktlandung und einem «Befreiungsschlag für den Wirtschaftsstandort Deutschland». «In Hamburg ist die Einheit von starkem Staat und erfolgreicher Wirtschaft ein Fels in der Brandung», erklärte er.
Hamburger Käufer nach monatelangem Bieten erfolgreich
Der TUI-Vorstand hatte sich lange gegen eine Abspaltung seiner Containersparte gestemmt, im Frühjahr aber dem Drängen seines Großaktionärs John Fredriksen nachgegeben und Hapag Lloyd zum Verkauf gestellt. Um einen Verkauf des Traditionsunternehmens nach Asien zu verhindern, hatte sich das Hamburger Bieterkonsortium gebildet.
Am Freitagabend hatte sich schließlich Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur aus dem Bieterverfahren zurückgezogen, so dass der Weg für das deutsche Bieterkonsortium frei war. Allerdings hatte es noch am Sonntag Medienspekulationen gegeben, wonach der Verkauf von Hapag-Lloyd wegen der internationalen Finanzkrise scheitern könne.
Bei dem Käuferkonsortium handelt es sich um die Hamburgische Seefahrtsbeteiligung «Albert Ballin», an der neben dem Unternehmer Kühne die Privatbank M.M. Warburg, die Hanse Merkur, die Signal Iduna, die HSH Nordbank und die Stadt Hamburg beteiligt sind. Kühne hält die Mehrheit am internationalen Speditions- und Logistikkonzern Kühne + Nagel, der in der Schweiz beheimatet ist. Im vergangenen Jahr machte der Konzern einen Umsatz von knapp 21 Milliarden Franken (13,6 Milliarden Euro).
