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13. Mai 2009

Käse-Imitate sind nur schwer zu erkennen



Frankfurt - Es sieht aus wie Käse, riecht wie Käse und schmeckt auch wie Käse. Auf immer mehr Pizzen und Backwaren sowie in Salaten ist es zu finden. Doch statt aus der Käserei kommt das Produkt aus dem Labor. Die Rede ist von sogenanntem Analog- oder Kunstkäse. Experten sprechen auch von Käse-Imitaten. Eigentlich ist nichts schlimm an ihnen: Sie sind lebensmittelrechtlich nicht zu beanstanden. Sie sind billig und schnell zu produzieren sowie einfach zu verarbeiten.

Ihr Problem ist, dass sie nicht ausschließlich aus Milch, sondern aus einem Potpourri unter anderem aus Pflanzenfetten, Geschmackzutaten und Farbstoffen gemacht werden. Deshalb sind die Imitate nach europäischem Recht kein Käse und dürfen auch nicht so genannt werden. Halten sich Hersteller, Verkäufer oder Gastwirte nicht an diese Vorschrift, machen sie sich der Irreführung oder Täuschung schuldig. Die Organisation Foodwatch spricht gar von Betrug.

Fast jede vierte Probe beanstandet

Vor allem offene Ware, also in Gaststätten oder Imbissen verkaufte Lebensmittel, sind nach Untersuchungen der Lebensmittelüberwacher häufig nicht richtig oder gar nicht und damit irreführend gekennzeichnet. Bei 158 in den beiden vergangenen Jahren in solchen Lokalen in Baden-Württemberg genommenen Proben von sogenannten weißen Käsesorten wie Weichkäse oder Feta wurden 36 und damit 23 Prozent beanstandet, weil sie Pflanzenfett enthielten, wie die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) des Bundeslandes kürzlich mitteilten. 2006 waren es 18 Prozent gewesen.

Bei den sogenannten gelben Käsesorten wie Gouda oder Emmentaler wurden von den in Bäckereien und Pizzerien oder Imbissen genommenen Proben elf Prozent alle irreführend beanstandet. In Fertigpackungen und Herstellerproben waren jeweils keine oder nur ganz wenige Proben falsch deklariert.

Genaue Menge kennt keiner

Wieviel Käse-Imitate in Deutschland hergestellt werden, weiß niemand so genau. Nach Schätzungen sollen es derzeit rund 100.000 Tonnen pro Jahr sein. Wenn das richtig ist, entspricht das rund einer Million Kilogramm Milch, die ersetzt und damit nicht verbraucht wird, wie der Sprecher des Deutschen Bauernverbands, Michael Lohse, am Montag der Nachrichtenagentur AP sagte. Bezogen auf die insgesamt pro Jahr erzeugte Menge von 28 Millionen Kilogramm Milch wären das knapp vier Prozent, die den wegen der der gesunkenen Milchpreise ohnehin arg unter Druck stehenden Bauern verloren gehen.

«Wir halten Käse-Imitate für Verbrauchertäuschung», erklärte Lohse und fügte hinzu: «Viele überbackene Produkte haben einen großen Anteil an Analogkäse, der bei der Verarbeitung nicht anbrennt oder verläuft.» Man wolle den Verbrauchern nicht vorschreiben, was sie zu essen hätten. Aber es müsse klar erkennbar sein - abgesehen davon, dass echter Käse als Milchprodukt einen ganz anderen Nährwert habe.

Vermehrte Kontrollen gefordert

Auch für den Bundesverband der Verbraucherinitiativen (vzbv) werden die Konsumenten bei nicht entsprechend deklarierten Kunstkäsen nicht nur über die Zusammensetzung des Produktes, sondern auch über dessen Qualität getäuscht. «Gerade bei Gaststätten haben die Verbraucher im Grunde keine Chance, die Zusammensetzung der Produkte zu überprüfen», erklärte Verbandssprecherin Clara Meynen. «Bei verpackten Produkten ließe sich dies über die Zutatenliste kontrollieren.»

Die Verbraucherschützer fordern daher eine Deklaration der Zutaten auch bei losen Waren sowie die Namensnennung bei Verstößen. «Die Behörden lassen die Verbraucher bisher im Regen stehen», sagte Martin Rücker von Foodwatch der AP. «Ross und Reiter müssen genannt werden», verlangte er.

Für den Verbraucherinitiativen Bundesverband sind ungeachtet von möglichen neuen gesetzlichen Regelungen die von den Ländern verantworteten Kontrollen am wichtigsten. «Es muss vermehrt kontrolliert werden, sonst gibt es für Verbraucher keine Handhabe», sagte Meynen.

«Pizza-Mix» oder «Pizza-Topping»

Ihre Kollegin Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein sieht das ähnlich: «Es ist für Verbraucher ganz schwer zu durchschauen», sagte sie der AP. «Wenn ich mir beim Pizza-Service ein Produkt bestelle, habe ich keine Kontrolle. Hier und in Gaststätten hilft nur die Nachfrage. Damit wird auch das Problembewusstsein der Betreiber geweckt.»

Verbrauchern, die Wert auf echten Käse legen, rät sie zudem, Produkte zu vermeiden, die sich «Pizza-Mix» oder «Pizza-Topping» nennen. Die Namensgebung, in der das Wort Käse vermieden wird, könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich um ein Imitat handelt. Ist zudem in der Zutatenliste von Pflanzenstoffen, Aromastoffen oder Verdickungsmitteln die Rede, könnte das ebenfalls ein Hinweis auf Analogkäse sein, denn echter Käse besteht aus Milch, Lab und eventuell dem Farbstoff Beta-Carotin. Wird bei Brötchen oder Laugengebäck lediglich von «überbacken» gesprochen und das Wort «Käse» vermieden, sollte man nachfragen, ob es sich um echten Käse handelt.




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