Eine Reihe von Belastungen haben bei der Celesio AG im ersten Quartal zu einem Gewinneinbruch geführt. So ging das operative Ergebnis EBIT auf 122 (175) Mio EUR zurück, wie der Stuttgarter Pharmagroßhändler am Dienstag mitteilte. Der Umsatz sank auf 5,4 (5,6) Mrd EUR, der Überschuss auf 57,6 (102,5) Mio EUR. Der Rückgang fiel damit noch deutlicher aus, als die von Dow Jones Newswires befragten Analysten im Schnitt erwartet hatten. Die Prognose für das operative Ergebnis 2008 wurde bestätigt, aber mit einen Fragezeichen versehen.
Zu den Belastungen zählen gekürzte Vergütungen und die Abwertung des britischen Pfundes gegenüber dem Euro, die den Erlös aus dem Apothekengeschäft in Großbritannien beeinflusst. Und auch in Frankreich drücken staatliche Einschnitte im Gesundheitswesen. Zudem wird der Großhandel in Großbritannien davon belastet, dass Pharmakonzerne auf einen Direktvertrieb setzen und den Großhandel umgehen. Und im Großhandel gibt es einen starken Wettbewerbs- und Margendruck.
Der Ergebnisrückgang fällt auch deshalb so deutlich aus, weil die diversen Belastungen zu Beginn des Jahres 2007 noch nicht wirksam waren. Sie setzten vor allem im zweiten Halbjahr ein und dauern an, so dass das jetzige Quartal mit einem noch weitgehend unbeeinträchtigten starken ersten Quartal 2007 verglichen wird.
Besonders schwach zeigte sich im ersten Quartal das Großhandelsgeschäft in Deutschland: Der im Vergleich zum Vorjahr fast vollständig fehlende Ergebnisbeitrag des deutschen Großhandels habe maßgeblich zur rückläufigen Entwicklung beigetragen, heißt es in der Mitteilung von Celesio. Das EBITDA wurde zudem mit mehr als 30 Mio EUR durch staatliche Maßnahmen in Großbritannien belastet. Wechselkurseffekte machten weitere 8,1 Mio EUR aus.
Celesio erwartet weiterhin für das Gesamtjahr einen steigenden Umsatz und ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau, hat den Ausblick nun aber präzisiert und ein größeres Fragezeichen hinter die Ergebnisprognose gesetzt als bislang. Das operative Ergebnis (EBITDA) soll zwar währungsbereinigt weiterhin in etwa das Vorjahresniveau erreichen.
Ob das Ziel erreicht wird, sieht das Management aber etwas kritischer als bislang: "Ob dies möglich sein wird, hängt maßgeblich von der Entwicklung im deutschen Großhandelsgeschäft ab", teilte Celesio mit. Das Wort "maßgeblich" macht das bisherige Fragezeichen etwas größer; bisher hatte Celesio darauf verwiesen, dass das Erreichen des Zieles vom Rabattbewerb abhängt.
Das Management erwartet zudem, dass der Erlös währungsbereinigt im niedrigen einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr zunimmt. Dies werde nur dadurch möglich sein, dass der Apothekenbereich deutlich schneller als der Markt wachse. Der Rohertrag werde verhältnismäßig in etwa mit dem Umsatz wachsen.
Staatliche Maßnahmen aus dem Jahr 2007, vor allem in Großbritannien, werden das gesamte Jahr 2008 jedoch stark beeinflussen, warnt das Management. Offen ist nach Einschätzung des Vorstands, wie sich "der nicht vertretbare Rabattwettbewerb und der dadurch verursachte Rohertragsverfall im deutschen Großhandel" im Laufe des Jahres 2008 entwickeln werden.
Aufgrund der zusätzlichen Finanzierungskosten für die Akquisitionen des Jahres 2007, des fehlenden positiven Effekts aus dem Auslaufen einer Zinssicherung sowie leicht höherer Abschreibungen könne das währungsbereinigte Ergebnis vor Steuern des Vorjahres voraussichtlich nicht erreicht werden.
Im Vergleich zum Vorjahr werde das erste Halbjahr des Jahres 2008 deutlich schwächer ausfallen. Das zweite Halbjahr soll sich aber vergleichsweise besser entwickeln. Der Vorstand geht davon aus, dass Lloydspharmacy, die britische Apothekenkette von Celesio, die Auswirkungen der staatlichen Eingriffe zum Teil kompensiert und dass der deutsche Großhandel Profitabilität zurückgewinnt. Der Vorstand bekräftigte zudem seinen Optimismus, dass Celesio "ab 2009 das nachhaltige und profitable Wachstum fortsetzen wird".
In einer Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg heißt es, besonders enttäuschend sei das operative Ergebnis. Insgesamt seien die Zahlen deutlich schwächer als von der Bank und dem Markt erwartet. Die Celesio-Aktie, die sich in den vergangenen beiden Monaten bereits deutlich schwächer entwickelt hatte als das Börsensegment MDAX, in dem das Papier notiert ist, verlor am Dienstag in einem freundlichen Gesamtmarkt rund 2%.
