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12. Dezember 2008

Hollywoodstar mit deutschen Wurzeln



Magdeburg - Sie fehlen derzeit in keinem Blumengeschäft, in kaum einem Wohnzimmer, stehen in vielen Büros - Weihnachtssterne mit ihren leuchtenden roten Blättern. Es gibt sie auch in weiß, in creme, apricot, rosa und anderen Farben. Über 100 Varianten wurden von der meistverkauften Topfpflanze der Welt gezüchtet, und 200 Millionen Weihnachtssterne werden Jahr für Jahr weltweit um die Adventszeit herum verkauft.

Der Weihnachtsstern ist ein echter Hollywoodstar: Auf dem Sunset Boulevard und dem Hollywood Boulevard hatte ihr Züchter Paul Ecke seine Geschäfte. Eckes Spuren lassen sich zurückverfolgen nach Cracau. 1895, als er dort geboren wurde, war das Dorf noch eigenständig, seit fast 100 Jahren ist es ein Stadtteil von Magdeburg.

Im Magdeburger Stadtarchiv wird man genauso fündig wie im Standesamt, erzählt Stadtarchivleiterin Maren Ballerstedt. Sie weiß, dass Paul der Sohn des Lehrers Albert Ecke war und mehrere Geschwister hatte. Allzu zufrieden allerdings war Vater Ecke offenbar nicht, denn Anfang des 20. Jahrhunderts wanderte er mit seiner Familie nach Kalifornien aus. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einer kurzzeitigen Rückkehr nach Deutschland fasste die Familie ab 1906 in den USA fuß.

Die Leidenschaft des jungen Paul waren Blumen. Eine faszinierte ihn besonders: Sie wuchs wild in Kalifornien, hatte leuchtend rote Blätter und wurde bis zu vier Meter hoch. Die Pflanze stammte ursprünglich aus Mittelamerika. Die Azteken nutzten den roten Farbstoff des Cuetlaxochitl zum Färben von Textilien und als Kosmetik. Aus ihrem Saft fertigten sie fiebersenkende Medikamente.

Im 19. Jahrhundert in die USA gebracht

Eine Sage berichtet, dass sie ihre leuchtende Farbe einer tragischen Liebesgeschichte verdankt. Ein Blutstropfen aus dem gebrochenen Herzen einer Aztekengöttin soll der Blume die Farbe gegeben haben. Sicher überliefert ist, dass Joel Poinsett, im 19. Jahrhundert Botschafter der USA in Mexiko, die Pflanze in die USA brachte und an Freunde und botanische Gärten verschenkte. Nach ihm wurde sie Poinsettia benannt. Alexander von Humboldt hatte sie Anfang des 19. Jahrhunderts mit nach Berlin gebracht und katalogisiert.

Doch den weltweiten Siegeszug verdankt der Weihnachtsstern Paul Ecke. Er gab der Pflanze den verkaufsträchtigen Namen Weihnachtsstern und verkaufte die ersten Zweige frisch vom Feld auf dem Sunset Boulevard und dem Hollywood Boulevard in Los Angeles. 1923 gründete er die Paul-Ecke-Ranch in Kalifornien, wo Weihnachtssterne angebaut und zunächst als Schnittpflanzen verkauft wurden. Später stieg sein Sohn Paul jr. in das Geschäft ein und begann, die Wildpflanze zu kultivieren. Er machte den Weihnachtsstern zur Topfpflanze und züchtete 30 Sorten.

1950 für die Wohnung kultiviert

Der Weihnachtsstern wurde zum Verkaufserfolg. Als Paul Ecke 1991 96-jährig starb, war die Paul-Ecke-Ranch längst ein großes Unternehmen, das auch heute noch in Familienhand ist. Dass der Weihnachtsstern, dessen lateinischer Name Euphorbia Pulcherrima lautet, auch in geheizten Räumen gedeiht, ist übrigens deutschen Züchtern zu verdanken. Nach 1950 gelang es ihnen, den Weihnachtsstern auch für die Wohnung zu kultivieren.




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