Bonn / Frankfurt ( ne-na) - In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ( FAZ) stellt Dietmar Dath die freie Internetenzyklopädie Wikipedia unter Verdacht. Das Modell der automatischen Kontrolle durch sich selbst ausbeutende "peers", welches bei Wikipedia für Verlässlichkeit und Neutralität der eingestellten Texte sorgen solle, sei ins Gerede geraten. Ideologisch verzerrte, sachlich unrichtige, überholte und dubiose Texte sollen angeblich monatelang Schaden angerichtet und Falschinformationen verbreitet haben.
Dath bezieht sich auf die aktuelle Ausgabe des Computer-Magazins Wired, wo einige der besonders heiß umkämpften Wikipedia-Themen behandelt würden: "Ist die 'Web 2.0'-Technologie die Zukunft des Internets oder Müll; wurde Jennifer Lopez 1969 oder 1970 geboren, sind Anakin Skywalker und Darth Vader aus den 'Star Wars'-Filmen zwei verschiedene Figuren oder ein und dieselbe" und so weiter. Dath folgert: "Dieser Katalog zeigt bereits überdeutlich, dass die noch Anfang des letzten Jahrzehnts von zahlreichen Medienkennern verbreitete Hoffnung, allerlei vernetzt moderne elektronische Kommunikations- und Speichermedien könnten die alten Probleme 'langsamer Öffentlichkeiten' hinsichtlich Parteilichkeit und Erkenntnisinteresse via Durchschnittbildung und Störungskorrektur gleichsam aus dem Weltwissen herauswaschen, eine fromme Selbsttäuschung gewesen ist."
Allein dieser Satz macht deutlich, dass der FAZ-Redakteur Dath einer frommen Selbsttäuschung unterliegt, wenn er sich für einen guten Schreiber hält. Die Kritik an Wikipedia ist durchaus berechtigt. Selbst der Gründungsvater Jimmy Wales distanziert sich von einigen unsauber arbeitenden Enzyklopädisten. Doch Daths richtige Analyse werden nur wenige zur Kenntnis nehmen, da seine geschraubte Sprache Leser abstößt. Man gewinnt eben auch dann keine neuen Leser für ein konservatives Blatt wie die FAZ, wenn man früher mal Chefredakteur des Popkultur-Magazins Spex war. (Ansgar Lange)
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