Kellnerinnen im Dirndl servieren schaumgekröntes Bier, eine Kapelle spielt Blasmusik, und auf dem Grill liegen Würstchen. Willkommen im Irak! Die Ausmaße des Münchner Oktoberfests erreicht die Veranstaltung im kurdisch kontrollierten Nordes des Landes zwar bei weitem nicht, aber sie ist ein Versuch, Touristen anzulocken. Die Kurdengebiete gelten im Vergleich zum Rest des Iraks als relativ friedlich, und seine Bewohner sind um Investitionen bemüht.
Mit seiner Bierschwemme in Erbil, 350 Kilometer nördlich von Bagdad, will Gunter Völker gegen die Vorstellung angehen, der Irak sei kein Urlaubsziel. Denn zumindest im Norden bringt das Bier die Menschen zusammen. Es sei gut, dass es im Irak einen Ort gebe, wo man in Frieden mit Freunden feiern könne, sagte der gebürtige Deutsche am frühen Sonntagmorgen zum Abschluss der großen dreitägigen Party in seinem Restaurant «Deutscher Hof». Hier könnten Iraker, Türken, Kurden, Amerikaner und Deutsche mit anderen Menschen in fröhlicher Stimmung feiern.
Und speziell für seine als reiselustig bekannten Landsleute hat er im Interview der Fernsehnachrichtenagentur APTN eine Botschaft: Der Irak sei nicht überall gefährlich. Im Kurdengebiet lasse es sich gut reisen und arbeiten. Dort sei man willkommen, und der Krieg bleibe fern.
Das irakische Kurdistan mit seinen grünen Bergen ist bereits ein beliebtes Reiseziel für tausende Iraker, die Hitze, Staub und politischer Gewalt in den weiter südlich gelegenen Gebieten entfliehen wollen. Dank der seit einigen Monaten verbesserten Sicherheitslage können sogar Bustouren angeboten werden. Eine Woche in einem bescheidenen Hotel kostet einschließlich Fahrkarte pro Person etwa 160 Dollar (120 Euro) - ein Drittel des monatlichen Durchschnittslohns.
Reiseveranstalter bereits in Kurdistan aktiv
Arabische Besucher werden bei der Einreise in die halbautonome Region von der Größe der Schweiz, in der fast 3,8 Millionen Menschen leben, noch sorgfältig kontrolliert. Doch auch Reiseveranstalter aus dem Ausland sind inzwischen im Kurdengebiet aktiv. Die französische Agentur Terre Entière nahm Kurdistan kürzlich in ihren Katalog auf. Angeboten wird eine christliche Pilgerreise zu Weihnachten. Im Juni bot eine kalifornische Agentur eine zwölftägige Reise in das Gebiet an.
Der Norden des Iraks stehe bereit für Geschäfte, sagt ein Deutscher, der in dem Gebiet Elektrogeräte vertreibt, im «Deutschen Hof». «Vielleicht können wir etwas Geld ins Land bringen.»
Hinter ihm macht sich die Blaskapelle Edelweiß in ihren Lederhosen bereit, ein weiteres Mal zum «Prosit der Gemütlichkeit» aufzuspielen. Ein exotischer Klang im Irak, wo seit Beginn der US-Invasion 2003 Zehntausende ums Leben kamen. Aber es ist ein Lied, dessen Text die Menschen im Norden zu lernen beginnen.
