Wegen der Finanzmarktkrise zeigt sich die IG Metall bei den laufenden Tarifverhandlungen kompromissbereit und rückt von der Forderung nach einer einjährigen Laufzeit des neuen Tarifvertrags ab. «Ich bin durchaus bereit, auf die wirtschaftlichen Unsicherheiten zu reagieren», sagte IG-Metall-Chef Bertold Huber dem «Spiegel». Denkbar sei eine Laufzeit von 20 Monaten und länger. Die Metall- und Elektroindustrie sieht er aber weiter in guter Verfassung: «Ich sehe in unserer Branche derzeit keine Krise», sagte Huber.
Am 23. September hatte die IG Metall die höchste Lohnforderung seit 16 Jahren beschlossen. Sie will für die 3,6 Millionen Beschäftigten acht Prozent mehr Geld. Ursprünglich hatte sie zudem eine Laufzeit von zwölf Monaten verlangt.
Der IG-Metall-Bezirksleiter Baden Württemberg, Jörg Hofmann, betonte, dass die Gewerkschaft an der Acht-Prozent-Forderung festhalte. «Wir müssen nichts korrigieren», sagte der Gewerkschafter des traditionellen Pilotbezirks im Südwesten der Tageszeitung «Die Welt». Den Menschen sei nicht zu erklären, warum sie mit einer niedrigeren Lohnentwicklung für die Finanzmarktkrise büßen sollten. Schließlich würden sie auch schon als Steuerzahler «für die Regulierung der Kollateralschäden der Krise in die Haft genommen».
Hofmann räumte ein, dass zwar ein «abgeflachtes Wachstum» zu erwarten sei. Diese Entwicklung sei aber in der Forderung der Gewerkschaft bereits berücksichtigt. Auch von einer Unterbrechung der Tarifverhandlungen angesichts der Krisenunsicherheit hält der Bezirksleiter aus dem Südwesten nichts. «Jetzt sind Verantwortung und Handeln gefragt, und nicht das Wegducken in ferne Zukunft.» Die Tarifvertragsparteien müssten Verlässlichkeit signalisieren, und zwar über einen raschen Tarifabschluss.
