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12. Juli 2008

Staatliche Glücksspiele offenbar in der Krise



München - Einen teilweise drastischen Umsatzrückgang haben die staatliche Glückspiele nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» im ersten Halbjahr 2008 verzeichnet. Vor allem Sportwetten, Klassenlotterien und Casinos hätten viele Kunden verloren, hieß es. Die Erlöse seien entsprechend um 15 bis 30 Prozent gesunken.

Erklärt wird dies vor allem mit den verschärften Auflagen der Länder, die das Glücksspiel in Deutschland regeln und vielfach auch selbst veranstalten. Einigermaßen stabil seien nur noch die Erlöse beim klassischen Lotto, den beiden Zusatzlotterien Super 6 und Spiel 77 sowie der Glücksspirale.

Den Spielbanken mache unter anderem das Rauchverbot zu schaffen. Matthias Hein, der Chef der Arbeitsgemeinschaft der Spielbanken, sagte der Zeitung, jedes dritte der insgesamt 63 Casinos sei «massiv unter Druck». Der Finanzminister der Bundesländer müssten nun die Abgaben senken. Sonst bleibe nichts anderes übrig, als Personal zu entlassen oder gar Standorte zu schließen. Die Casinos beklagen einen Rückgang der Spielerlöse um 19 Prozent. Die Spielbanken werden teils vom Staat, teils von privaten Investoren betrieben.

Die Norddeutsche und die Süddeutsche Klassenlotterie kämpfen dem Bericht zufolge ebenfalls ums Überleben. Bei der NKL seien die Einnahmen um 30 Prozent gesunken, bei der SKL bislang um 15 Prozent. Aber auch die SKL befürchte, auf Dauer bis zu 30 Prozent des Umsatzes zu verlieren. Die Klassenlotterien dürfen keine Lose mehr per Telefon verkaufen, nachdem sich Bürger über unerwünschte Werbeanrufe beklagt hatten. Darüber hinaus ist die TV-Werbung verboten worden. «Wir erreichen unsere Kunden nicht mehr», sagte NKL-Vorstand Jan Christiansen der «Süddeutschen Zeitung». «Unsere Existenz ist gefährdet.»

Bei Oddset und Toto, den beiden Sportwetten des Deutschen Lotto- und Totoblocks, beträgt der Rückgang dem Bericht zufolge 21 beziehungsweise 30 Prozent. Die Werbung für Oddset wurde eingeschränkt. Außerdem müssen sich Sportfans bei Oddset registrieren lassen und dürfen nur noch mit Kundenkarten auf den Ausgang von Spielen tippen. Viele Kunden wandern deshalb zu privaten Anbietern ab. «Kommt es zu keiner Korrektur, dann wird Oddset auf Dauer wohl keine Chance mehr haben», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der «SZ».

Gemeinnütziger Sport erhält weniger Geld

Oddset habe Anfang des Jahrzehnts mehr als 500 Millionen Euro umgesetzt, hieß es. Für 2008 werde ein Rückgang der Einnahmen bei Oddset und Toto auf gut 250 Millionen Euro erwartet. DFB-Präsident Zwanziger schätzt den Umsatz mit Sportwetten in der Bundesrepublik auf insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Das meiste Geld lande bei den privaten Tippgesellschaften wie Bwin, oft per Internet.

Der DFB setzt laut Zwanziger auf ein «geordnetes Nebeneinander» staatlicher und privater Wettangebote. Die Ministerpräsidenten der Länder kämen nicht umhin, sich mit den neuesten Oddset-Zahlen zu beschäftigen, sagte er.

Die gegenwärtige Glücksspielpolitik schwäche den Amateur- und den Profisport. Die Abgaben von Oddset für die Amateurvereine gingen zurück. «Für den gemeinnützigen Sport bleibt weniger übrig.» Den Bundesligisten entgingen Sponsoring-Mittel der privaten Sportwettanbieter, weil diese in Deutschland nicht mehr werben dürften. Diese Mittel kämen jetzt der Konkurrenz in Spanien und anderswo zugute. «Das schwächt den deutschen Profifußball», sagte Zwanziger der «SZ».






 

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