Erste Oscar-Verleihung im Jahr 1929 war unspektakulär
Frankfurt - Er ist lediglich 34,3 Zentimeter groß, wiegt gut drei Kilo, hat trotz seines Goldglanzes nur einen Materialwert von ein paar hundert Dollar und hört auf den nicht sonderlich originellen, im privaten Bereich längst aus der Mode gekommenen Namen Oscar. Trotzdem ist das kleine muskulöse Kerlchen aus Kalifornien seit 80 Jahren immer begehrter geworden und steht zu Beginn jeder neuen Kinosaison im Mittelpunkt des Interesses der ganzen Welt.
Denn kein anderer Filmpreis ist so populär wie eben jener Oscar, der am 16. Mai 1929 erstmals von der zwei Jahre zuvor gegründeten Amerikanischen Filmakademie vergeben wurde. Bei der Premiere war das allerdings noch ganz anders, denn die zwölf Preise in Form der von dem Produktionsdesigner Cedric Gibbons entworfenen Goldstatuette wurden im Schnellverfahren den Siegern ausgehändigt. Diese standen schon lange vorher fest, so dass die Zeremonie im Roosevelt-Hotel in Hollywood für die Presse nur geringen Neuigkeitswert besaß und mehr als einige kleine Meldungen die Oscar-Premiere folglich nicht abwarf.
Das war schon deshalb nicht verwunderlich, weil selbst die Preisträger keine große Begeisterung für ihre Auszeichnung zeigten. Janet Gaynor, die den ersten Oscar als weibliche Hauptdarstellerin bekam, bekannte freimütig, sich über die Begegnung beim Festbankett mit dem damaligen Kinoidol Douglas Fairbanks mehr gefreut zu haben als über den nach ihrer Ansicht «seltsamen» Preis. Gaynor wurde übrigens gleich für drei Filme, in denen sie mitgewirkt hatte, geehrt. Der erste männliche Preisträger war kein Geringerer als Emil Jannings, deutschsprachige Schauspielerlegende und gebürtiger Schweizer.
Kriegsfliegerdrama war der allererste Beste Film
Jannings, der den Oscar für die Stummfilme «Der Weg allen Fleisches» und «Das letzte Kommando» bekam, war bei der Preisverleihung gar nicht persönlich anwesend, denn er hatte sich die Trophäe schon vorher abgeholt. Der allererste Oscar für den Besten Film 1927/1928 ging an das kommerziell sehr erfolgreiche, mit neuen Kameratechniken faszinierende Kriegsfliegerdrama «Wings» (Flügel). In einer kleinen Nebenrolle war darin ein Mann zu sehen, der am Anfang seiner großen Karriere stand, die ihm später noch zwei Oscars bescheren sollte: Gary Cooper. Zwei Preise gingen damals an die Regisseure Frank Borzage und Lewis Milestone.
Ein Jahr später, 1930, wurde die Oscar-Zeremonie bereits im Radio übertragen, von da an wurde der Preis immer populärer. Die Zahl der Preisträger wuchs schon deshalb rapide an, weil die Auszeichnung für immer mehr Kategorien vergeben wurde. Seit 1956 gibt es alljährlich auch einen Oscar für den nach Ansicht der stimmberechtigten Akademie-Mitglieder «besten nicht-englischsprachigen Film». Davon haben deutsche Produktionen seitdem dreimal profitiert: 1979 Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung «Die Blechtrommel», 2002 Caroline Links Emigrantenepos «Nirgendwo in Afrika» und 2006 Florian Henckel zu Donnersmarcks Stasi-Drama «Das Leben der anderen».