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12. März 2007

Fragwürdige Spenden als CO2-Ausgleich



Frankfurt - Fliegen und Autofahren mit reinem Umweltgewissen - angesichts der drohenden Klimakatastrophe bieten immer mehr Organisationen die Möglichkeit, mit einer Spende für Umweltprojekte einen Ausgleich für den eigenen CO2-Ausstoß zu schaffen. Doch die Seriosität solcher Angebote ist bisweilen fragwürdig. Und ohnehin ist eine Ablasszahlung für die eigenen Klimasünden nur die zweitbeste Lösung, wie Verbraucherschützer und Umweltorganisationen betonen.

«Zunächst ist es wichtig, dass man selbst prüft, wo man klimaschädliches Verhalten aktiv vermieden kann», sagt Matthias Seiche, Klimaschutzexperte bei Deutschlands größtem Umweltverband BUND. Erst an zweiter Stelle sollte dann eine Kompensationszahlung für den CO2-Ausstoß stehen.

Der Markt für CO2-Kompensations-Angebote ist enorm. Immer mehr Großereignisse werben damit, dass sie klimaneutral sind. So versprach der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die rund 100.000 Tonnen Kohlendioxid, die während der Fußball-WM vor allem durch Pkws freigesetzt wurden, Investitionen von mehr als einer Million Euro in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern.

Ein besonders großes Potenzial liegt jedoch im wachsenden Flugverkehr. Das lockt aber auch immer mehr windige Geschäftemacher auf den Plan. In einer Studie der Tufts Universität bei Boston wurden 13 internationale Anbietern von so genannten Kompensationstickets überprüft. Sechs waren demnach nur mit Vorbehalten zu empfehlen, drei weitere überhaupt nicht.

Grundsätzlich nicht seriös sind für den BUND-Experten Seiche Rundum-Sorglos-Pakete, die für einen relativ geringen Preis suggerieren, dass man sich dann ein ganzes Leben klimaneutral verhält. «Das ist Augenwischerei und funktioniert höchstens, so lange wenige Menschen dieses Paket nutzen.» Würden viele Menschen sich auf solche Pakete verlassen, ohne ihren CO2-Ausstoß zu vermindern, müssten immer neue Klimaschutz-Projekte aus dem Boden gestampft werden, was zu einem deutlichen Preisanstieg führen würde - mit fragwürdiger Effizienz.

Die einzelnen Klimaschutzprojekte sollte man sich zudem gut ansehen, rät der BUND-Experte. «Skeptisch sind wir bei vielen Baumpflanzungsprojekten, weil nicht klar ist, ob die Bäume nicht in zehn Jahren doch abgeholzt oder abgebrannt werden, ob da nicht Monokulturen angelegt oder gar Bewohner vertrieben werden.»

Zweifel am Sinn einer Spende seien auch angebracht, wenn Anbieter Zertifikate aus dem EU-Emissionshandel aufkaufen und stilllegen. Der Preis eines solchen Zertifikats für den Ausstoß einer Tonne CO2 sei von ursprünglich 30 Euro pro Tonne mittlerweile auf einen Euro pro Tonne gesunken. «Das System ist absolut wirkungslos, weil zu viele Zertifikate angeboten wurden», sagt Seiche.

Einen regelrechten Hype um das Thema Klimaablass sieht Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt rät dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren. «Es gibt viele Bereiche, in denen kann man selbst den CO2-Ausstoß verringern - etwa mit dem Kauf eines schadstoffarmen Autos.»

In vielen Bereichen könne man zudem einfach die klimaschädlichsten Produkte vom Markt nehmen. «Das geht bei Autos, bei Elektrogeräten, sogar bei Häusern», sagt er. Beim Fliegen gestalte sich das schwieriger. «Aber wenn man die Mineralöl- und die Ökosteuer auf das Flugbenzin umlegen würde, würde ein Flug nach Mallorca etwa 150 Euro mehr kosten, eine Fernreise nach Südostasien sogar 500 Euro mehr», rechnet Krawinkel. Das mache sich dann auch bemerkbar.


Einheitliche Labels oder Kriterien fehlen


Gemeinsam beklagen Verbraucherschützer und Umweltorganisationen die fehlende Transparenz. «Leider gibt es noch kein Label oder einen einheitlichen Kriterienkatalogs, der die Qualität und Seriosität einer Klimaschutzagentur nachvollziehbar macht», moniert Seiche. «Der Verbraucher muss sich bisher auf die Angaben der Agenturen verlassen», sagt Krawinkel. «Wer sich tatsächlich als klimafreundlich bezeichnen darf, ist nicht gesetzlich geregelt.»

Die Organisation atmosfair, die zuletzt unter anderem von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel empfohlen wurde, legt ihre Standards und Projekte im Internet offen. Mit Verwaltungsausgaben unter 20 Prozent entspreche die gemeinnützige Non-Profit-Organisation im Jahr 2005, dem ersten Geschäftsjahr, den Kriterien des Spendensiegels (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen), heißt es da.

Auch deswegen wird atmosfair neben dem Schweizer MyClimate dem australischen climate friendly und NativeEnergy mit Sitz in den USA in der Studie der Tufts Universität als empfehlenswert eingestuft. Aber auch atmosfair stellt auf seiner Homepage unmissverständlich klar: «Das Beste fürs Klima ist es, gar nicht zu fliegen.»






 

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